Auf Kurs mit Kirche?

Sie sagten, ich sei die Zielgruppe!

Vor gut einem Jahr hatte ich die Bewerbungsgespräche für die Projektstelle „Social Media in der ev.-luth. Kirche in Hamburg“ schon hinter mir und die Zusage – den Vertrag noch lange, lange nicht in der Tasche. Wobei ich mich vor allem fragte, warum man sich nicht für jemanden aus den eigenen, binnenkirchlichen Reihen, entschieden hatte.

Mein eigener, kirchlicher Werdegang verlief wohl recht typisch. Taufe, klar. Konfirmation? Die Entscheidung überließen meine ev. Mutter und kath. Vater mir, und ich entschied mich – trotz (?) klarer Ansage, es gäbe aber kein Geld – dafür. An meine Konfi-Gruppe oder den Pastor kann ich mich kaum erinnern. An den riesigen, weißen Blusenkragen meines Konfirmationsoutfits leider umso mehr.
Es folgten die Jugendgruppe und etliche emotionale Teenager-Abende im CVJM-Keller, ein denkwürdiges, ökumenische Chorwochenende, nach dem ich das  Singen dann endgültig eingestellt habe und der Jugendleiterschein. Die Fahrten nach Taizé und zu den Silvestertreffen in diverse europäische Metropolen und die Begegnungen vor Ort sind mir unvergessen.

Der kirchliche „Bruch“ kam dann schnell und hart im ersten Semester an der Uni. Die dortige ESG lud zu einer Freizeit nach Norwegen. 10 Tage viel Natur, Bibelarbeit inklusive. Fair enough. Bis zu dieser Gesprächsrunde: Wann und wo wir unsere persönliche Begegnung mit Gott gehabt hätten, war die Frage an uns. Es folgte Schilderungen á la „weiße Lichtgestalt“ in schweren Zeiten usw. Das war zu viel. Ich war raus.

Aber noch bin ich drin, bin Kirchenmitglied und sehe auch keinen Grund aus der Kirche auszutreten. Dem aktiven Gemeindeleben habe ich aber den Rücken gekehrt. Der Versuch in meiner Hamburger Gemeinde nach dem Zuzug anzudocken, scheiterte am Nicht-Interesse der Gemeinde, der ich am Ende hinterlief, um den Gemeindebrief zu erhalten. Neukunden-Akquise? Chance vertan!

Kirchen habe ich in den letzten Jahren meist nur zu Beerdigungen, Hochzeiten, mal an Weihnachten (dann eher katholische) oder als Touristin von innen gesehen.

Doch die innere Bindung bleibt! Und so sei ich eben genau DIE Zielgruppe, die SIE in Zeiten des Mitgliederschwunds über die sozialen Netzwerke erreichen wollten, hieß es im Dezember 2015 beim Vorstellungsgespräch. Eben: „Noch da, wenn auch nicht am Sonntag im Gottesdienst“.

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