Erfolgreich gekentert

Während mein Kajak gut verstaut und sicher verstaubt die Wintermonate in seinem Quartier im Bootshaus verbringt und leider auch vor April nicht aus dem Winterschlaf geweckt werden kann, mache ich mir auch diesen Winter wieder Gedanken zur Kajaksicherheit.

Auch wenn ich schon zwei Paddelkurse auf der Alster inklusiver Einheit zur Paddelsicherheit hinter mir habe, in Sachen Kentern & Co. machte mir die Blaualge jedes Jahr einen Strich durch die Praxis-Rechnung. Und inzwischen ist das „Was wäre wenn…“ dem „Ich müsste mal…“ in dieser Hinsicht gewichen. Es gab zwar noch nie den „Ernstfall“ und oft frage ich mich, ob ich meine Ersatzklamotten im Packsack wirklich immer mitnehmen muss, aber irgendwann ist immer das erste Mal und dann will ich vorbereitet sein.

Als Einzelmitglied im DKV habe ich also die umliegenden Vereinsprogramme in und um Hamburg und Schleswig-Hostein durchforstet und schließlich Plätze für das Sicherheitstraining des Ratzeburger Kanu-Clubs am letzten Wochenende bekommen.

 

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Bootshaus am Küchensee

Zwei Tage rund um die Sicherheit beim Kajak fahren (Karten lesen, Verkehrszeichen…), lokales Vereinsschnuppern und Kentertraining im Schwimmbad.
Bad news: Beginn ist am Samstag um 10 Uhr in Ratzeburg. Good news: Die Verpflegung ist das gesamte Wochenende erstklassig – v.a. für den erschwinglichen Kursbeitrag von 35 €, der Kaffee schmeckt und der Kamin im Bootshaus direkt am Küchensee ist schon an und sorgt für kuschelige Wärme – und bei denjenigen, die in  ihren Outdoor-Plüsch…nein…Fleecepullovern kommen – ist ja schließlich Freizeit – für doppelte Erwärmung – zuweilen herrscht im Raum auch Sauerstoffmangel, aber müde bin ich eh‘.

Den größten AHA-Moment haben wir wohl alle, und das gleich zu Beginn des Seminars als Susanne, die Wanderwartin und Seminarleiterin des RKC zwei YouTube-Videos von Paddlerunfällen an Wehren zeigt, z.B. dieses hier: Panik auf dem Mangfall
Fazit: Du hast keine Chance. PUNKT. Die „Waschmaschine“ zieht dich immer wieder runter. Also: Abstand halten! Keine Experimente!

In der Gruppe gehöre ich mit wenigen Ausnahmen zu den Anfängern. Andere blicken auf eine fast 25-jährige Paddlerkarriere zurück und schmeißen nur so mit ihrer Erfahrung und Fluss- und Seenkenntnis um sich. Wie das Vierergrüppchen aus Plön, sympathische Männer um die 50+, paddelerfahren und in der Jugendarbeit ihres Vereins engagiert. liebevoll benenne ich das Quartett sogleich in „Plön-Schnacker“ um. Denn geschnackt wird das ganze Wochenende. Fachsimpelei at it’s best. Wie bei jedem Hobby halt.
Am Ende habe ich dann zugegebenermaßen einen Paddel-Overkill.

Dass man viel Geld in seine Kajakausrüstung – abgesehen vom Boot – stecken kann, ist ja bekannt, und mit jeder Einheit wird die „Nice-to-have-Shopping-Liste“ vom Wurfsack, Tarp, 1. Hilfe-Set, Säge (man weiß ja nie, ob da nicht ein Baumstamm im Weg liegt) bis zum Neoprenanzug oder für die Hardcore-Paddler einen „Trocki“ – länger und länger. Lokale, überregionale und sogar niederländische Paddelausstatter werden an den kommenden Wochenenden sicher ein Ziel der Seminarbesucher sein. Soweit zur Theorie.

Dann geht’s endlich los, zum heimlichen Highlight: Wir packen die Vereinsboote und ab ins Schwimmbad. Vogelgrippenbedingtes Saubermachen in der Vorhalle und dann ab ins Becken.

Nein, ich will nicht eskimotieren. Wissen, wie man elegant und richtig kentert, reicht mir vollkommen. Der erste gewollte Ausstieg kostet wirklich Überwindung, kippeln, wippen und dann „einfach“ umfallen. Leider samt Kopfnuss tauche ich wieder auf – auch wenn ich keine Reiterin bin – erinnere ich mich an die Reiterregel: Runtergefallen?  Egal, wieder rauf und nochmal. Also nochmal. Bei den nächsten Kenterversuchen spült das Chlorwasser die Ängste scheinbar weg. Mit Spritzschutz kentern ist dann Stufe 2. Geht auch. Muss man alles nur üben. Ein Vorsatz für den Sommer, bei gutem Wetter und warmen Wasser. Mal sehen, wann Hamburg 2017 soweit ist.

Nach dem Ausstieg folgt das Retten, Partnerrettung und den Solo-Wiedereinstieg. Klappt mit vielen Anweisungen von Susanne und Anja dann auch mehr oder weniger. Bis eben die Kräfte in den Armen schwinden, das ist dann so nach knapp 1,5 Stunden.

Im Ganzen fühlt es sich gut an, erfolgreich gekentert zu sein. Es gibt mir Sicherheit. Auch die Sicherheit zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn der Puls nach oben geht. Wieviel Zeit ich habe, um auszusteigen und wie schnell man wirklich draußen ist.

Diese Saison werde ich zum Einen mit noch mehr Respekt ins Kajak steigen und zum Anderen aber auch mit viel mehr Sicherheit und einem besseren Bewußtsein für mögliche Gefahren.

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Blick aus der Römnitzer Mühle (Hotel)

Zum Abschluss des Seminars, nachdem Zertifikate und Fahrtenbuchstempel verteilt sind, gönne ich mir zusammen mit einer kleinen Paddlerrunde noch etwas. Neben dem Ratzeburger Dom gibt es das empfehlenswerte Cafe Bischofsherberge, von der Vorwerker Diakonie betrieben. Super Mohnkuchen, interessantes Gebäude, viel Geschichte – und für mich ein kirchlicher Brückenschlag. Manchmal fügt es sich eben!

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