Eine Woche zwischen Chatbots, Content und Influencern #smwhh

Meine tägliche Dosis Social Media Week gib‘ mir heute.

Das trifft es ganz gut. Zum Einstieg in die diesjährige Social Media Week Hamburg hatte ich mir diese Session ausgesucht: Svenja Teichmann von Crowdmedia, zugleich Beirätin der SMWHH, eröffnete meine #SMWHH mit der provokanten Frage: „Geht Social Media in Content Marketing auf?“

Sie gab einen knackigen (Einsteiger-)überblick zu Schnittmengen von Content Marketing und Werbung bis hin zu Social Media. Rief Bekanntes, das im operativen Alltag oft in den Hinterkopf geschubst wird, wieder auf den vorderen Schirm, wie z.B. den Bedarf der Zielgruppe nicht aus den Augen zu verlieren. Denn Menschen haben Probleme und suchen im Netz nach Lösungen – und eben KEINE Produkte. Bei aller Neukundengewinnung und Reichweitenorientierung solle man jedoch die „Bestandskunden“ nicht vergessen, eben diejenigen, die schon eine Bindung zur Marke, Unternehmen, Institution etcpp. haben. Klassische Mitgliederkommunikation also und genau das, was  bei meinem aktuellen Arbeitgeber auf verschiedenen Ebenen diskutiert und analysiert wird, v.a. unter dem Stichwort „rückläufige Mitgliederzahlen“.

Sie beobachte zudem, dass Websites wieder stärker in den Fokus von Firmen rückten. Zu Lasten von Social Media? Nicht unbedingt. Aber am Ende hieße es, ganz mit dem „Orangeman“ gesprochen „Website first“. Auf der Website sollte die eigene Story, die nachhaltige Story erzählt werden. Social Media-Kanäle wie Facebook, Twitter, Instagram und co. drapieren und erzählen die Story drumherum, seien quasi der Einhornstaub auf der Torte.

Die Website ist dein Haus, Social Media ist die Party in einem fremden Haus.
Svenja Teichmann

Davon abgesehen, auch das eine Binse, IMMER vom Inhalt denken und nicht vom Kanal. Schon gar nicht in Kanal-Silos, sondern ganzheitlich.
Den Motivationsschub für alle Anfänger im übervollen Raum des Handelskammer Campus, gepaart mit einiger Erleichterung für Seniors, gab’s am Ende: Dranbleiben. Budget hin oder her. Der Erfolg kommt nicht über Nacht, sondern baut sich langsam auf. Das Stichwort heißt „Seeding“. Da ist es also wieder, wenn auch schicker verpackt: Das Gleichnis vom Senfkorn. Mit Beharrlichkeit und Geduld wird man auch in Social Media langfristig ernten. Hopefully.

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Präsentation von Svenja Teichmann / crowdmedia

Die Slides und Referenzen ihres Vortrags, der die Einstiegsfrage für mich am Ende dann leider nicht vollständig auflöste, sind hier abrufbar.

Auch diese Frage weckte mein Interesse: „What’s hot im Content Marketing?“ Sie treibt mich persönlich-beruflich nicht so arg um, dennoch war ich gespannt auf die, sagen wir mal „Elefanten-Runde“, die ich mir nicht entgehen ließ, v.a. weil ich Klaus Eck endlich mal live erleben wollte und mir nach Tag 3 selber eingestehen musste, dass mein Tweets und RT zu ihm schon groupiehafte Züge annahmen. Mein #ff rund um Digitales, egal an welchem Wochentag!

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v.l.n.r.: Prof. Dr. Michael H. Ceyp, Klaus Eck, Christiane Brandes-Visbek, Sascha Stoltenow, Torsten Panzer

Die Diskussion bzw. Erkenntnisse brauchten etwas, um überhaupt in Gang zu kommen. Den größten Lacher im Saal erhielt ausgerechnet der Tool-Protipp EXCEL, nun ja. Außer, dass Content Marketing in der Branche das selbsterklärte, heiße Thema ist, kam wenig an neuen echten Trends. Eher Erkenntnisse in softer Form: Sascha Stoltenow lehnte sich dann ein wenig aus dem Fenster:

Kommunikation und Produktion werden in Zukunft immer mehr verschmelzen.
Sascha Stoltenow

Klaus Eck forderte mehr Content Qualität und kontinuierliches Content Controlling statt punktueller Relaunches. Im Fokus müssten die „helfenden Inhalte“ stehen, denn eine Marke, die Kunden „zulabert“ will niemand, so Sascha Stoltenow. Kann ich mitgehen. Insgesamt nicht ganz heiße Luft – aber auch nicht der „heiße Schei*“, den ich sicher wie die gut gefüllte Markthalle, eigentlich erwartet hatte.

Das zweite omnipräsente Thema der SMWHH war Influencer Relations. Wer sind sie, was können und dürfen sie usw usf. Auch hier zunächst Bekanntes: Auch „der“ Blogger/Influencer ist ein zartes Pflänzchen, das gepflegt werden will und auch das braucht nun mal Zeit, v.a. im Beziehungsaufbau. Liebevoll denke ich da an meine treuen, loyalen Hörbuchblogger aus vergangenen Tagen zurück. Daniel Rehn von Achtung und Jana Nörenberg von tchibo plauderten in der Markthalle unterhaltsam aus dem Nähkästchen und waren ein starkes Duo auf der Bühne – mit viel Sympathie und Authentizität. „Lass mal was mit Influencern machen“ ist eben keine Strategie.
Erst im Nachhinein fiel mir wieder ein. Auf der OMR hatte ich einen Aussteller wahrgenommen, der damit warb: „Wir finden für jede Nische den richtigen Influencer.“ Ob die auch „Kirchen-Influencer“ im Portfolio, sprich in ihrer Kartei haben? Vielleicht schreibe ich die einfach mal an…

An Tag 2 dann endlich viel Wissenszuwachs rund ums Thema „Kommunikation mit der Maschine. Wie menschlich bleibt unsere Kommunikation?“ Chatbots. Mit Chatbots hatte ich mich bisher kaum beschäftigt, von den ersten Vorreitern im Kundenservice wie KLM, Hamburg Airport und Co. zwar gehört, das war’s aber auch. Als Geisteswissenschaftlerin fand ich v.a. die linguistische Anforderungen an die Bot-Entwicklung und mögliche neue Berufsfelder für Linguisten einen interessanten Ansatz. Im Kern geht’s ja um die Frage, wie menschlich kann ein Bot klingen und akzeptiere ich als Nutzer den Bot als meinen Gegenüber auf Augenhöhe? Wieviel Persönlichkeit traue ich ihm zu, wohl wissend, dass es eine Maschine ist? Kommende Generationen von Sprachwissenschaftlern eröffnet sich hier ein neues Untersuchungsfeld in puncto Sprachwandel.

Wir bewegen uns in Jahr 1 der Chatbots. In 2-5 Jahren werden wir es in der ersten Stufe gewohnt sein, mit Bots zu kommunizieren und erst im zweiten Schritt mit Personen. Klaus Eck

Mein Praxisbeispiel hatte ich tags drauf bei den OMR, wo ich meinem ersten Chatbot-Coffee bei facebook bestellte:

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Noch nicht so elaboriert das Ganze, aber es hat geklappt und der Cappuccino hat auch geschmeckt. Danke Bot-Rista!

Das Socializing kam während der Woche natürlich auch nicht zu kurz und als Mitglied  der Digital Media Women war ich neugierig auf das Meetup. Sagen wir mal so, ich blieb an dem Abend natürlich nicht nur auf 1 Getränk.

Zum Abschluss der Woche legte das Programm nochmal eine Schippe drauf. Vielleicht war es auch der Tagesausflug am Donnerstag in die Online Marketing Welt, die mich innerlich bestärkte in Social Media „genau richtig“ zu sein. Es fühlte sich jedefalls wieder wie zuhause an. Meinen ganzen Bericht zur OMR lest ihr hier.

Die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Hostein, deren Medienspiegel ich sehr empfehlen kann, lud am Freitag zur Podiumsdiskussion rund um „Fake News bei Facebook“. Ihr Direktor Thomas Fuchs führte ein und holte alle im Eventraum der Macromedia Hochschule zunächst begrifflich ab:

Fake News =  Lüge, bzw. eine absichtsvolle Fehlinformation. Nicht die andere oder eine abweichende Meinung.
Thomas Fuchs

Ausgerechnet hier passierte mir dann ein Twitter-Fauxpas:  Aus Thomas Fuchs wurde Martin Fuchs. Was @fakeNewsletter völlig zur Recht sofort anprangerte. Postwendend korrigiert, aber ein Gefühl von „ausgerechnet“ blieb.

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Die beiden Diskutanten waren sich auf angenehme Weise uneins, betrieben gesellschaftliche Ursachenforschung, wenn es um die Leichtgläubigkeit bei Meldungen im Internet ging und beklagten die verschleppte Umsetzung bestehender Gesetze. Wir hätten ein Rechtsdurchsetzungsproblem. Es dauere zu lang, bis gegen Fake News vorgegangen werde, so Lars Klingbeil. Auf der anderen Seite sei Fact-Checking heute so einfach wie nie zuvor, meinte Volker Tripp. Wir müssten lernen 2x nachzudenken, bevor wir News weiterverbreiteten, um nicht in die Falle zu tappen. Er erzählte offen von einem Fake-Tweet, angeblich abgesetzt von Donald J. Trump, dem er aufgesessen sei. Einfach, weil er diese Äußerung für möglich gehalten habe, aber eben nicht geprüft habe. Seitdem sei er vorsichtiger. Den Ruf nach einem Wahrheitsministerium halte er für überzogen, es gehe mehr darum, die gesellschaftliche Medienkompetenz zu erhöhen, die nicht allein von den Schulen einzufordern sei.

Erst denken, dann teilen und weniger Hysterie im Netz walten lassen. So simpel, aber eben manchmal auch so schwer.

Die eigene Haltung nicht verlieren und immer wieder kommunizieren – innerhalb des eigenen FRAMES agieren -, war die Kernbotschaft von Meike Richter, Social Media Beraterin des NDR, in ihrem Vortrag:

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Praktische Beispiele mit Do’s und Don’ts im Community-Management und der Appell, sich von Hatern und Trollen nicht aus dem Konzept, von der eigenen Position abbringen zu lassen. Verteidigung ist keine Lösung. Kommuniziere deine Werte, deine Ansichten und behalte die meist stille, nur mitlesende Mehrheit im Auge/Ohr. Gerade wenn sich 1-2 Deppen in den Vordergrund drängeln und provozieren. Es gehe zuletzt auch um die Bestärkung der verunsicherten Mitleser, der man Halt(ung) und Orientierung geben müsse. Man merkte ihr an, dass auch sie zuweilen müde ist. Müde von all dem „ekligen“ Zeug, das sie lesen und immer wieder gebetsmühlenartig parieren muss. Aber dennoch dranbleibt, weil es das Signal setzt, wir passen hier auf, wir schützen unsere Mehrheit, wir stehen für Meinungsvielfalt und stehen für Werte, die wir aktiv – auch im Netz – verteidigen. Das Konzept des sprachlichen Framings leuchtet ein und ihre praktische Umsetzung kann man, z.B. hier nachlesen : „10 Fehler und Lösungen im Umgang mit Hatespeech“.

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Es tat richtig gut, die ganze Woche über den „Social Media Akku“ aufzuladen und zu erkennen, dass bei allem Hype um neue Messenger, Stories, Chatbots  und Influencer, die Basics immer noch relevant sind.

Die größte Herausforderung und der Kern von Social Media ist immer noch die Kommunikation zwischen Menschen.

Für mich geht das Konzept der Social Media Week auf und ich freue schon auf die nächste Runde in 2018!

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