Digital Detox in Dänemark

Unsere jährlichen Fahrten nach Dänemark haben sich ursprünglich aus meinem Wunsch heraus entwickelt, Zeit zu haben, das zu lesen, zu dem ich während des beruflich verordneten Lesens im Verlag meist nicht gekommen bin. Und so fahren wir, seit wir in Hamburg wohnen, zum jährlichen Abschalten nach Djursland. Seit zwei Jahren nun mit den Kajaks an Board. In diesem Jahr war das „Digital Detox“, denn das ist auch immer mit dabei, sehr dringend nötig. So nötig, dass mein „Handy-Nacken“ bzw. die Schulter auch schon „urlaubsreif“ schrie.

Wie immer hatten wir ein vollgepacktes Auto, man könnte meinen, wir würden wir umziehen. Auch die Kajakausrüstung war in diesem Jahr umfangreicher, wir hatten ordentlich aufgerüstet und die Einkaufsliste nach dem Sicherheitstraining in Ratzeburg gewissenhaft abgearbeitet.

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Djursland – Der wilde Teil Dänemarks  (c) Mercatus Reklamebureau A/S

Unser Quartier im Kajakvej (purer Zufall!) lag am Dråby Strand an der Ostseeseite mit einem herrlichen Terrassenblick auf die Insel Hjelm. Erinnerungen an Cape Cod kamen v.a. abends auf, wenn der Leuchtturm und die Insel langsam im Dämmerlicht verschwanden.

Eingestellt hatten wir uns auf Regen und Kälte – also ein Inhouse-Programm vorm Kamin, mit Sauna und viel Couch. Was wir bekamen war eine Woche voller Sonne, zuweilen bis 19 Grad auf der Terrasse, aber mit viel Wind. Die dänischen Flaggen auf den Nachbargrundstücken waren eine laienhafte Anzeige, ob und wann wir denn unsere Paddelausflüge planen konnten. Für die Gewissheit half der Blick in die Windfinder-App. Die Buchten an den Mols Bjerge sind flach, oft windgeschützt und so auch schon in dieser Jahreszeit ideal zum Paddeln.

Den ersten Ausflug aufs Wasser machten wir an den Ugelbølle Strand, der vom Tourismusverband Djursland mit „Krebs und Kajak“ beworben wird. Hier trafen wir zumindest auf einen weiteren Paddler mit Seekajak. Ansonsten hatten wir die Gewässer meist für uns allein. Die Möglichkeit anti-zyklisch zu urlauben, also außerhalb der klassischen Ferienzeiten, ist ein Privileg, das ich sehr schätze. Die ersten Minuten auf See sind dann immer besonders aufregend, v.a. nach der Winterpause, wenn dann noch die Wellen unregelmäßig aufschlagen, hat man gut zu tun. Volle Konzentration und kein Gedanke mehr als an das Kajak und die Balance auf dem Wasser. Besser kann ich nicht abschalten – herrlich!

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Neopren und Thermo muss dann schon sein…

Auf dem Weg nach Ugelbølle sahen wir die spiegelglatte Bucht vor Ebeltoft und zwei Kajaks in ruhiger und regelmäßiger Bewegung. Damit war das zweite Ziel klar. Sofern es der Nicht-Wind erneut zulassen würde, rauf auf die Bucht vor dem schnuckelingen und sehenswerten Städtchen Ebeltoft. Das war dann erst am Donnerstag möglich. Der Ausflug aufs Wasser wurde am Ende länger als gedacht, ein wenig hatten wir uns mit der Distanz zurück zum Parkplatz verschätzt. Die Fregatte Jütland im Hafen von Ebeltoft vom Wasser aus zu sehen, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Auf dem Rückweg kam ich streckenweise in einen echten „Paddel-Flow“, was wohl auch nur passiert, wenn einem weder andere Boote, Stand-ups noch Alsterkähne potenziell in die Quere kommen können und man sich ganz auf seinen eigenen Rhythmus konzentrieren kann. Es war wie in einem Rausch und trotz Schulterzwicken durchschnitt ich die Wellen in gutem Tempo.

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Blick auf Ebeltoft und die alte Brauerei, die aktuell zu einem Kulturzentrum umgebaut wird

Das Highlight kam dann aber am Abreisetag, als einfach alles passte. Kaum Wind, Sonne und angenehme 15 Grad. Nach dem Auschecken aus dem Ferienhaus fuhren wir also zurück an den Dråby Strand und endlich ab auf die Ostseeseite. Vor dem Camping Platz und dem Naturschutzgebiet paddelten wir unsere Abschlussrunde die Bucht entlang und verabschiedeten uns schweren Herzens auch von der Insel Hjelm – in der Ferne.

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Meine Lesequote kann sich auch dieses Jahr sehen lassen mit 3,5 Büchern. Eines davon war „Ich hasse dieses Internet“ von Jarett Kobek, das mich schon auf die nächste Reise, direkt im Anschluss, zur re:publica in Berlin einstimmte. Und das ich als humorvolle Lektüre im Crossover von Internetkritik und Comicbegeisterung empfehlen kann. Ganz ohne Internet geht es ehrlicherweise dann doch nicht, aber das einfach mal Ausschalten funktioniert. Auch weniger ist schon mehr und klappt für mich in Dänemark gut, denn das Gefühl von „Ich könnte was verpassen“ stellt sich dort einfach nie ein. In diesem Sinne:

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MANGE TAK und bis zum nächsten Jahr!

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