Back to the Books – Das #litcamp17

Bevor die Erinnerung total verblasst, denn die vier Wochen seit dem #litcamp17 waren – nicht nur in Hamburg – doch sehr ereignisreich. Der Start ins literarische Barcamp-Wochenende in Heidelberg Ende Juni begann jedoch anders als gedacht.


Alles, was ich am Freitagmorgen im Halbschlaf hörte war: „Bahnstrecke zwischen Hamburg-Hannover unterbrochen“ und dann dachte: Schade, dass war’s dann mit meinem Ausflug in den Süden, nach Heidelberg zum #litcamp17. Pech!

Ich versuchte es natürlich trotzdem und fuhr auf gut Glück zum Hauptbahnhof. Der ICE zuckelte mit einer Stunde Verspätung los. Es gab im hinteren Zugteil Tumulte, aggressive Durchsagen vom Zugchef und schließlich zwei Teilräumungen auf dem Weg. Das Unwetter am Tag zuvor hatte einiges durcheinandergebracht. Über einige Umwege und mit letztlich drei (!) Stunden Verspätung kam ich im Hotel an.

Mein Literaturwochenende begann. Die Begegnung mit meiner „alten Jobwelt“, sozusagen. Und die gab sich richtig Mühe: Heidelberger Literatursommer. Das Literaturzelt stand auf dem Alten Marktplatz – einladend und hübsch, auch wenn das Programm rund um das Thema Romantik an dem Abend nichts für mich war.

Nach einem ersten schnellen Rundgang durch die Altstadt, verweilte ich noch etwas am Bismarkplatz und genoss das studentische Summerfeeling der Stadt bei der Eröffnung des Metropolink-Festivals.

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Am Samstagmorgen überschlug sich Twitter schon voller #Vorfreude und ich stieg dann auch ein. Gemütlich trudelte ich zur Begrüßung ein, bei der Anmeldung gingen die Lanyards gingen aus und man griff auf Packband zurück – ökologisch, aber halt auch kratzig. Mein vorbestelltes Barcamp-T-Shirt lag sprichwörtlich wie bestellt und nicht nicht abgeholt für mich bereit – top!
Knapp 200 Menschen seien da, hieß es während die Technik anfänglich noch etwas zickte. Als es dann losging, lief die „nicht verhandelbare Vorstellungsrunde“ wirklich zügig. Dabei immer wieder zu hören die Hashtags: „Lesen – Schreiben- Bloggen“.
Gefühlte 80%, der auf mich recht jung wirkenden Teilnehmenden waren zum ersten Mal auf einem Barcamp und das sorgte für eine flirrende Aufgeregtheit im Raum.Ich hatte mehr „Verlagsvolk“ erwartet, denn das Thema Blogger Relations ist ja nun auch in der Verlagsbranche kein Neues, wird sowohl von der Presse als auch vom Marketing/Vertrieb in den Häusern aktiv bespielt und entsprechend gepflegt. Da hätte ich gedacht, dass die Chance niedrigschwellig Kontakte zur begeisterungsfähigen Leserschaft und zum Autorennachwuchs zu knüpfen, mehr genutzt würde – aber Fehlanzeige! Nur die Sponsoren aus dem E-Publishing waren da. Erstaunlicherweise vermisste man die Berufsbuchmenschen dann doch nicht, außer vielleicht in der Session über den Sinn und Unsinn von Gendermarketing.

Heiß begehrt - die Slush-Maschinen

Gender. Es sollte mein Thema auf diesem Barcamp werden. Dana Ziezemann eröffnete nicht nur den Sessionpitch am Samstag, sondern auch meinen Barcamptag und erzählte ihren Weg vom Mann zur Frau. Eine tolle Frau, mit Humor, Klarheit und Größe. Sie entlarvte vorhandene Vorurteile, ohne zu Entblößen und weitete das Feld und die Augen auch für Alltagsprobleme im Kontext von Transgender und Diversity. Zwei Sätze sind mir v.a. hängen geblieben: „Geschlecht entsteht im Kopf“ und „Verwirklicht euch, auch wenn ihr im „richtigen“ Körper steckt“. Dass sie sich in ihrem jetzt wohlfühlt, war spürbar und einfach erfrischend. Ich wünsche ihr, dass ihre Biografie viele, viele Leser*innen und einen aufgeschlossenen Verlag findet, der sich traut, sie auch in die großen Talkshows zu schicken. Zum einen, weil sie sich sicher gut schlagen würde und das Thema eine größere Audience verdient.

Meine Lieblingsfarbe ist grün.
Kati Fräntzel

So eröffnete Buchhändlerin @CathKati ihre Session zum Gendermarketing. Wobei sich die Debatte schnell ausweitete, denn die Trennung zwischen „rosa“ und „blau“ ist eben kein reines Verlagsthema, sondern eine Problematik, die sich genauso im Supermarkt oder Klamottenladen findet. Leider fehlten in dieser Session eben genau die Marketingverantwortlichen aus Verlagen. Ihnen, so eine Conclusio der Sessionteilnehmenden, müsse man „auf den Keks gehen“, und verdeutlichen, dass sie Inhaltsmarketing statt des Klischees reproduzierenden Geschlechtermarketings machen sollten.

Klassische Barcamp-Themen kamen auch in Heidelberg nicht zu kurz und so nahm ich aus den Session SEO für Blogger von Edda Klepp und einer Einführung in Instagram für Autor*innen von Annika Bühnemann wie immer einiges an To-Dos mit und teste nun einiges bewusst aus. Sei es das Anlegen von Hashtags-Liste, aktiveres Kommentieren oder auch das Posten zu verschiedenen Tageszeiten. Scheinbar banal, aber mal sehen, wo es mich bei Insta, dem Happyplace im Internet noch hinführt – privat wie beruflich. Wer den Selbstversuch von Francesco Giammarco aus Die ZEIT noch nicht kennt, dem sei er hiermit wärmstens empfohlen: „Mein Leben als Influencer“.

Den 2. Tag des Barcamps habe ich dann ehrlicherweise sausen lassen – aus Gründen der privaten Netzwerkpflege und nicht, weil ich an der Orga, den Themen oder was auch immer etwas auszusetzen gehabt hätte. Im Gegenteil und an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön ans Litcamp-Team!

Der Input an Tag 1 reichte mir schlicht als Ausflug „Back to the Books“.
„Hörbuch“ kam, der Vollständigkeit halber sei es erwähnt, als Thema gar nicht erst vor, während das Self-Publishing Thema Nr. 1 zu sein schien. Soviel zu: „Lesen – Schreiben – Bloggen“. Und so habe ich den Sonntag als Sightseeing-Tag in Heidelbergs Altstadt verbracht, bin zum Schloss hochgelaufen und habe in kleinen Cafés den anderen Touristen beim Flanieren zugesehen. Très bohémien!

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Wie immer war’s eine inspirierende Barcamp-Wundertüte und ich habe nette Menschen kennengelernt und wieder getroffen. Mit viel Verve wurde über Literatur gesprochen und diskutiert. Sicher noch im Fahrwasser als ehemalige Verlagsfrau kamen mir, abgesehen von der Marketing-Session, kontroverse Themen aus der Verlagswelt (cf. Amazon Prime Reading) leider zu kurz oder fanden vielleicht erst am 2. Tag statt. Auf der anderen Seite:

Dass Literatur zwei Tage so abgefeiert wurde, kann man auch einfach mal so stehenlassen!

 

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