Theo(r)(log)ie und Praxis: #bcnordkirche

„Digitalisierung ist ein Megatrend“ (echt jetzt?!), das hat selbst Volker Kauder (CDU/CSU) seit diesem Wochenende erkannt. Was folgt daraus? Lasst uns einen Arbeitskreis bzw. eine Steuerungsgruppe gründen! Das kommt mir doch sehr bekannt vor…

Digitalisierung beschäftigt auch die EKD – jetzt aber wirklich. Man wolle

„Die Grundlagen zur Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie schaffen.“

hieß es auf der letzten Synode im November 2017. Eine „Projektstelle zur Begleitung des Prozesses ‚Kirche im digitalen Wandel“ (geht’s theoretischer?) wurde seitdem ausgeschrieben und hoffentlich auch besetzt. Man kann nur mutmaßen, wie viele Ausschüsse und Gremien dann einberufen werden, um das kirchlich-digitale Feld zu sondieren, zu beleuchten, bevor es in die Umsetzung geht.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde strukturiertes, fundiertes Vorgehen wichtig, man soll nicht reinstolpern, aber man kann eben auch zu viele Theorierunden drehen und wenn eins klar ist: Die Digitalisierung wartet nicht, bis alle theologischen Ebenen durchdrungen wurden. Das muss parallel laufen. Ich würde mir wenn einen „digitalen Beirat“ für die EKD und auch meine Kirchenebene wünschen (näher dran an Kauder als mir wahrlich lieb ist), der die Digital-Expertise der Wirtschaft und ihrer Global Player und das theologische Fundament in den Prozess gleichermaßen einbringt und idealerweise vereint.

Aber hier hakt es meiner Erfahrung nach oft, die Schere zwischen den Theoretikern und den Praktikern „bei Kirchens“ fällt mir immer wieder auf. Vielfach ist es auch schlicht ein Clash zwischen Theologen und Nicht-Theologen im kirchlichen Dienst (egal, ob haupt- oder ehrenamtlich). Für mich wird das häufig deutlich in den Threads der Facebookgruppe „Kirche und Social Media“. Themen starten mit praktischen Fragen und kippen dann vielfach, um in theologischen Diskursen so abzuheben, dass ich aussteige. Oft, sehr oft. Ich gehe da schlicht verloren auf dem Weg der digitalen Kirche. Schade eigentlich!

Kickoff des Barcamp Nordkirche in Hamburg

Auch beim Barcamp der Nordkirche am Wochenende konnte man die Gemengelage der (kirchlichen?) Herangehensweise an die Digitalisierung sehen:

Tweet von @RchrdRgnschn

Ich musste schmunzeln, nickte in mich hinein. Ja, so ist es! Erst mal den theoretischen Überbau bzw. die Rechtfertigungsgrundlage für’s Thema schaffen und „alle alle mitnehmen“. Typisch Kirche?!

Statt Hashtag-Vorstellungsrunde gab es also eine gewohnt fundierte Keynote samt To-Do Liste für die #DigitaleKirche von Ingo Dachwitz, der so charmant antwortete:

Antwort von @roofjoke

Das hoffe ich auch!!!

Dann ging’s los und das Sessionangebot war groß, inklusive der Dauerbrenner-Gesprächsthemen wie „Von Hatespeech zu Hopespeech“, „Was tun mit Facebook?“, „Digitale Identität. Trenne ich privat und beruflich?“, „Wie hole ich die Gremien ins Boot?“ oder auch „Kirche als Netzwerk“.

Gejubelt habe ich als die Praxis-Themen aus der Pitch-Schlange hervortraten, die dann auch meinen Barcamptag prägten. Ein- und wegtauchen in virtuelle Welten bei den VR-Projekten wie „Reise, Reise“ für den Religionsunterricht von Friederike Wenisch. Ein weiteres Projekt stellte sie zusammen mit Swantje Luthe vor, bei dem virtuelle Räume der Religionen in Schulen entstehen, die sich einzelnen Themen widmen und in denen man hervorragend den interreligiösen Dialog zwischen SchülerInnen fördern kann. Mehr dazu findet sich im rpi-virtuell-Blog.

Kurz und knackig, aber auch gleich mit konkreten Ideen ging es aus der Session „In 6 Schritten zum Podcast“ von den Macherinnen von @machtnix!-Podcast. Schon komisch, dass ich als (ehemalige) Hörbuchfrau noch nicht auf den Podcast-Zug aufgesprungen bin. Oder gerade deshalb?

Meine Highlight-Session war die einer weiteren Friederike zu Messenger-Bots. Sie zeigte uns am Bsp. ManyChat.com für den Facebook-Messenger, wie man Bots für Events oder in der autmomatisierten Kommunikation mit Konfirmaden erstellen kann. Schließlich zeigen Gesprächsverläufe in WhatsApp-Gruppen, dass eh immer die gleichen Fragen gestellt werden. Dass sich nicht eine Stimme im Plenum erhob, die das Thema „persönliche Kommunikation“ (1:1, Mensch zu Mensch) auf’s Tableau brachte, hat mich dann aber doch sehr gewundert. Aber vielleicht hat der Servicegedanke und die Hoffnung auf Entlastung, v. a. bei den anwesenden Pastores, dies schlicht überlagert. Die Option Liedertexte oder Bibelstellen im Gottesdienst per Button-Klick an seine Zielgruppe zu verschicken, wirkt ja auf den ersten Blick auch unheimlich attraktiv. Ist am Ende aber doch recht lokal und spezifisch. Spannend wird’s meiner Meinung nach dann, wenn man an die Kern(service)themen von Kirche denkt: Heirat, Taufe, Konfirmation, Trauer etc. und diese, z.B. wie die Flugline KLM mit ihrem BlueBot als Service-Bot abdeckt. Das wäre ein Pilotprojekt, dass ich mir auf EKD-Ebene vorstellen könnte. Mal recherchieren, was es da schon gibt.

Es war ein voller, toller Tag und eine gelungene Barcamp-Premiere in Hamburg. Leider blieb viel zu wenig Zeit zum Real Life-Talk, neben meiner eigenen Session zu „Instagram – The Happy Place“ und dem „daily business“ ganz operativ und praktisch unsere Kanäle während des #bcnordkirche zu bespielen.

#bcnordkirche

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