ॐ am Seelenort

Das mit dem zweiten beruflichen Standbein als Yoga-Lehrerin habe ich ja nie ernsthaft in Betracht gezogen. Auch meine wöchentliche Disziplin auf die Matte zu gehen, lässt zuweilen sehr zu wünschen übrig. Der Wunsch mal ein paar Tage in einem Yoga-Hotel zu verbingen, und das wenn möglich an meinem zweiten Seelenort, St. Peter Ording, war dennoch über die Jahre umso größer geworden. Im letzten November war es soweit und ich zehre noch immer davon.

Der Ansatz war einfach: Das gönne ich mir jetzt, war die Devise. Dann noch weg mit dem aufgesparten Urlaub, v.a. zeitlich antizyklisch reisen und ab in die Bahn nach SPO ins Yoga-Hotel „Das Kubatzki“.

Abtauchen im Yoga-Kosmos

Man betritt ja immer eine eigene kleine Welt, sobald man einen Yoga-Kosmos betritt. Da kann die Chemie, das Chi, stimmen oder eben auch nicht, das merkt man schnell. Auch in Hamburg hat es gedauert, bis ich „mein Studio“ gefunden haben. Für eine ausführliche Akklimatisierung blieb nach meiner Ankunft kaum Zeit, denn schon rief die erste Yoga-Stunde und der Alltag und das „Draußen“ waren sofort ganz weit weg.

Der Tagesablauf vor Ort ist komplett um die Yoga-Klassen herumgestrickt, und das Haus auf Wohlfühlen deluxe ausgelegt. Man kann tatsächlich in seiner Yoga- bzw. Muckelhose (Dank an Julia, meine ehem. Volontärin, für diesen göttlichen Ausdruck an dieser Stelle) zum Abendessen gehen oder auch sonst in der Lounge einfach nur abhängen. Jaja, ich weiß, Karl Lagerfeld und die Jogginghose… Nach einem Beobachtungstag war ich dann auch soweit und wußte, wie der Yoga-Hase „Shashankasana“ im Haus so herumläuft. Go with the flow.

Anders als gedacht

Nie für möglich gehalten hätte ich, dass mein meist morgenmuffliger Kreislauf VOR dem Frühstück schon eine Yoga-Praxis verkraftet und der Tag danach nicht vollständig im Eimer ist. Wieder was gelernt. Neues probiert habe ich auch in Sachen Kulinarik, naja, zumindest in Sachen Smoothies: Rote Beete (liebe ich normalerweise) und Pak Choi. Beides in dieser Konsistenz nicht meins, ganz im Gegensatz zum gedämpften Obst zum Frühstück, das ich mir längst schon mal zuhause machen wollte. Ihr kennt das.

In St. Peter-Ording sein und dann am Liebsten am Strand. Das Wetter war leider mehr als durchwachsen, manchen Spaziergang zwischen den Klassen habe ich abgebrochen, weil es zu heftig stürmte oder regnete, aber auch einige bei Sonnenschein und mit Blick auf schönste Regenbögen beendet. Sich in den Wind legen, durch die Prile stapfen und die Elemente spüren, war der zweite wichtige Part meiner kleinen Auszeit. Wie schwer es doch fällt, das „Ich-verpasse-etwas“-Gefühl abzulegen und wirklich anzukommen, merkte ich in einer Abendklasse. Draußen zeichnete sich über den Bäumen am Deich feinstes Abendrot ab. Boten eines spektakulären Sonnenuntergangs und mein kleines Fotoherz hüpfte vor Freude und wollte da hinaus. Ich aber blieb und entspannte auf der Matte, in diesem Moment.

Allein verreisen? Ich kenne viele, die das gar nicht mögen, es langweilig finden oder mich nur erstaunt anschauen. Ich kann das durchaus verstehen, verstehe auch die Herausforderung, aber für mich ist es auch eine Chance, wieder anzukommen, bei mir. Schwierig finde ich auf Reisen, auch bei Dienstreisen, immer das Essen im Restaurant. Allein, meist an einem Katzentisch, gefühlt beobachtet und vielleicht sogar etwas bemitleidet. Nicht unbedingt ein Genuß und meist wenig entspannend. Lesen kann man oft auch nicht, da die Beleuchtung am Abend dann „stimmungsvoll“ ist. Da ich nicht zu den Personen gehöre, die über die Tische hinweg den Small Talk startet, ist es also eher ein „kurzes Vergnügen“ und auf die reine Nahrungsaufnahme reduziert. Ganz anders nun hier: Viele Hotel- und Yogagästinnen – surprise, die meisten wohl auch so um die 40 – waren schon zu zweit, aber auch einige genauso wie ich, alleinreisend. Und es machte nichts. Keine Spur von „Ich muss jetzt geschäftig tun, weil, eigentlich bin ich eine wichtige Freiberuflerin, die mal eben nebenbei noch ein paar Sonnengrüße dazwischen schiebt“ o.ä.. Relaxed und selbst das „Einfach nur aus dem Fenster in den Regen starren und die Gedanken kommen und gehen lassen bei einem wirklich guten Tee oder Zitronenwasser“ war möglich und es fühlte sich gut an. Was man in dem Moment halt braucht. Der Körper und die Seele sagen es einem schon. Man muss nur zuhören. Von den kleineren Wehwehchen nach drei Yoga-Klassen pro Tag erzähle ich hier nicht, die waren erwarteter Beifang. Man spürt sich. Sagen wir es mal so.

In der Yoga-Praxis wird oft davon gesprochen, dass man aufhören soll, Dinge zu bewerten. Mein erstes Yoga-Retreat will ich dennoch bewerten, denn es war richtig, zu dem Zeitpunkt, an dem Ort, in der Intensität und ganz sicher nicht das letzte.

Namasté!

Yoga-Frosch

 

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde in keiner Weise vom Hotel „Das Kubatzki“ bezahlt oder gesponsert. Ich habe die Tage dort im November 2017 als zahlender Hotelgast verbracht.

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