What’s next in Social Media? – #smwhh18

Wegen vieler anderer Termine und Tagungen, ihr merkt es, ich komme mit dem Schreiben kaum hinterher, fiel meine #smwhh18 recht kurz aus. Das was ich hörte, war inspirierend und vor allem motivierend. Hier mein Rückblick auf wenige Stunden bei der Social Media Week Hamburg 2018.

e2cd274c-bd5e-48fa-b722-9758ce7a5962Zum Zeitpunkt der Eröffnung unter dem Motto Closer: Community vs. Individualism durch Svenja Teichmann von Crowdmedia (Foto) war Dorothee Bär als Digitalministerin weder im Amt noch hatte sie von den Flugtaxis gesprochen. Umso mehr wurde diese Folie von den Anwesenden im prachtvollen, aber leider viel zu kleinen Galionsfigurensaal des Altonaer Museums belächelt. Denn noch immer fehlt der Politik in Deutschland die Vision von der Digitaisierung im Ganzen. Wir seien in Deutschland so gut darin, den Status quo zu bewahren, so Teichmann, und wenn wir denn etwas entwickelten, dann aber so perfekt, dass halbgare Produkte nicht eher auf den Markt kämen, bis sie 100% perfekt seien. Das deutsche Mindset eben. Amen!

Was sich da draußen in der Digitalszene derweil alles tut, hörte ich wie immer sehr interessiert und pointiert vorgetragen von Daniel Rehn von der Agentur achtung!:

Digital Trend Scouting 2018: What’s next in Social?

Den wohl größten Wandel gebe es aktuell von „social“ zu „emotional“. Ein klarer Wertewandel im Netz, der v.a. die Emotionen/Reaktionen als wertvollste Web-Währung sieht. Um so wichtiger sei es, sich als Marke, Institution was zu trauen, und auch mal den Unmut der Fans auszuhalten. Denn auch eine Empörungswelle kann mal gut sein.

Als Beispiele hatte er zwei Kampagnen mitgebracht: Die Influencer-Kampagne von Coral und den Starbucks Weihnachtsbecher-Case. Beide haben wahre Fanstürme auf die Unternehmen ausgelöst. Die Entrüstung der Fans war indes wohl kalkuliert. Denn, wenn alles nur chic und nett ist, passiert eben nichts. Dann scrollt man eben vorbei. Aus diesem Grund rankt Facebook, z.B. auch die Reactions höher als ein „normales“ Like. Fair enough. Also ran ans Emotion Baiting! 

Und irgendwie fühlt sich alles nach Dialog und Storytelling an. Alle Plattformen haben Story-Tools. Aber mal ehrlich, soviel kann man gar nicht erleben an einem Tag. Das Smartphone hat zur Demokratisierung des Storytelling beigetragen. Mit einem Hinkefuß für Unternehmen. Marken erzählen nichts und haben keine eigene Story. Die haben nur Menschen. Menschen erzählen Geschichten. So einfach ist das. Also lasst Menschen, MitarbeiterInnen – nicht nur Influencer – an die Kanäle. Das ist glaubwürdiger, denn längst sind wir als Konsumenten müde von der Dauer(werbe)sendung der Marken.

Sein Round-up in drei Charts und noch ein Hinweis in Zeiten von Alexa und Co:

„There is a skill for that.“


Markenbotschafter, Corporate Influencer – Warum die eigenen Mitarbeiter so wertvoll für die Kommunikation sind

460c04fd-c75e-4149-8115-584be9d9b065Endlich habe ich diese Frauen auf einem Podium zusammen gesehen und gehört, denen ich schon lange und gern bei Twitter folge: Magdalena Rogl (Microsoft), Dr. Kerstin Hoffmann und Caroline Mohr.

Es ging hauptsächllich um die in Unternehmen verankerte Haltung zum Thema bzw. wie man diese ändert.

Denn, so Magdalena Rogl: „Jede/r ist bereits Botschafter/in“. Aber das Bewußtsein dafür ist noch nicht wirklich in den Unternehmen, Institutionen und Behörden angekommen. „Auch die Bäckereifachverkäuferin ist eine Botschafterin.“ ergänzte Kerstin Hoffmann.

Und schon schlägt sich schnell die Brücke zur Kirche, zu kirchlichen Kommunikationsstruktur. Die ewige Frage: „Wer spricht für Kirche?“ kann schlicht beantwortet werden mit: „Wir alle tun das, ob nun zuhause in der Familie, am Stammtisch oder beim Sportverein.“ Wir sprechen informell von unserem Arbeitgeber, unserer Gemeinde und prägen so längst und nachhaltig das Bild von Kirche und kirchlichen Einrichtungen mit. Wir sind Markenbotschafter/innen für Kirche oder wie es mein Mann mal so charmant formulierte: „Kircheninfluencer“.

Neben denen, die nun hauptamtlich für Kirche sprechen und die Botschaft professionell verkünden, gilt es die zu finden und zu bestärken, die gern über Kirche, kirchliches Leben/Aktivitäten/Werte sprechen wollen. Dieses Potenzial sollte man ähnlich nutzen wie die Otto GmbH mit ihren Jobbotschaftern für das Thema Recruiting oder Microsoft mit seinen Corporate Influencern und sie ausstatten mit Skills, Vertrauen und kommunikativen Freiheiten. Ich hörte mal von der Idee von „digitalen Kirchenbotschaftern“. Ob sie je umgesetzt wurde, weiß ich leider nicht.

Dabei ist die Glaubwürdigkeit absolut entscheidend. Und eine Kommunikationsabteilung wird durch die Abgabe einiger Hoheiten dabei nicht überflüssig, im Gegenteil. Die Anforderungen an die Kommunikatoren durch den Beratungsaufwand für die Kommunikationslaien werden sogar größer. Die Expertise der Kommunikatoren ist weiterhin gefragt, nur das Berufprofil verändert sich.

Nick Marten von der Otto GmbH & Co. KG saß ebenfalls auf dem Podium und sagte ganz offen:

„Wir stellen uns auf Shitstorms ein. Wird passieren, wenn diese Freiheit umgesetzt wird. Aber die Zeit ist reif dafür.“

Wir alle sprechen halbprivat, „unter uns“ über unsere Firma. Ganz ohne Monitoring in Gruppen usw. und eine Kommunikation in der Halböffentlichkeit existiert längst. Dort sollte man zuhören, hier kann man, wenn nötig und angebracht korrigieren. Es geht aber nicht darum Unternehmensbotschaften zu senden.

Und sagte Lena Rogl „ihren Satz“, ihre Botschaft:

„Kommunikation (im Netz) ist: H(uman) to H(uman) und nicht B2B! Denn Firmen reden nicht mit Firmen, sondern Menschen mit Menschen!

Hier kann kirchliche Kommunikation bestens einsteigen, wenn sie begreift, dass auch im Netz die individuelle Kommunikation – also 1:1 – hoch gehalten und überaus geschätzt wird!

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3 Gedanken zu “What’s next in Social Media? – #smwhh18

  1. Liebe Ines, Dein Beitrag hat mich nachdenklich gemacht. Dass es wichtig werden wird, auch Ehrenamtliche als „Kircheninfluencer“ zu gewinnen, finde ich eine gute Perspektive, die man verfolgen sollte. Und auch dass Glaubwürdigkeit ein hohes Gut ist, passt zur Kirche – oder sollte es zumindest.
    Was mich irritiert, ist der Wandel von „social“ zu „emotional“. Das klingt für mich nach „Katzenvideos statt Argumente“. Natürlich kann man mal ein stimmungsvolles Bild vom Taizé-Gebet posten. Aber die christliche Botschaft ist nicht ganz so einfach zu haben. Da geht es doch um Inhalte! Was passiert, wenn es nur noch um Emotionen geht, sieht man gerade an der Flüchtlingsdebatte oder diesem unsäglichen „Der Islam gehört (nicht) zu Deutschland“.
    Und wenn ich es richtig verstehe: Shitstorms sind besser als gar keine Reaktionen? Passt auch nicht richtig zu Kirche, oder?

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    1. Hi Erik, emotional heißt für mich vielleicht etwas kirchlicher formuliert „mit Inhalten berühren“ und damit ist sicher mehr gemeint als Einhörner und Catcontent. Wo es passt auch kalkuliert provozieren und Dinge gegen den Strich bürsten, überraschen, um aus dem Einheitscontent herauszufallen – herausstechen aus der üblichen Werbebotschaften. Für Kirche sehe ich das v.a. im Sinne deutlich formulierter Positionen, die Diskussionen und Empörungswellen auslösen. Weil man das „von Kirche“ nicht gedacht hätte und sie so auch wieder mit Menschen in Berührung kommt, in den Lebenswelten von Menschen, die ihr nicht nah sind, erst überhaupt wieder vorkommt.

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      1. Du hast Recht, da gibt es sicherlich auch Überschneidungen. Trotzdem nehme ich wahr, dass – und das ist ja auch kein Geheimnis – die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird. Komplexe Fragestellungen werden auf einfache, meist emotional begründete, Antworten reduziert: Kirche und Humanismus schließen sich aus; Gläubige denken nicht selbst, sondern glauben irgendwelchen Märchen. Aber auch im Politischen: Islam ist Gewalt und Unterdrückung, Flüchtlinge gefährden unser Sozialsystem… Und überhaupt, die Debatte um „Der Islam gehört (nicht) zu Deutschland“ – da ist schon eine solche Aussage sinnlos. Sie will nichts aussagen oder begründen, sondern nur Emotionen wecken.
        Es bleibt auf diesem Gebiet also noch viel zu tun.

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