Von Speedbooten und Guerillachurching – #bckirche in Wittenberg

„I have a stream“ . Unter diesem Motto luden die Landeskirchen der EKM, EvLKS, Anhalt und EKBO zum Frühlings-Barcamp #bckirche nach Wittenberg. Mein längst überfälliger erster Besuch in der Wiege der Reformation mit vielen Lichtblicken und der Suche nach digitalen Schnellbooten.

I have a stream - Barcamp-Postkarte #bckirche

Vor das eigentliche Barcamp hatten die Veranstalter des Barcamp Kirche Online einen Fachtag „Kirche im Netz“ geschaltet. Ein kluger Move, um v.a. die Gremienmenschen in den jeweiligen Einrichtungen nicht zu sehr zu verschrecken. Zum Soft-Start hielt Jonas Bedford-Strohm ein Plädoyer zu „Kirche, digitalisiere dich!“. Wieviel Nachholbedarf v.a. in den Basics besteht, verdeutlichte er an der simplen Google-Suche nach dem Wort „Kirche“. Die Treffer zeigten, dass viel von EXTERNEN ÜBER Kirche gesprochen wird, sie selbst aber nicht als Contentlieferant unter den ersten Treffern vorkommt.

Die Sichtbarbkeit von Kirche im Netz sei ein Problem. War Kirche früher im Dorf das höchste Gebäude, sei sie im Digitalen kaum auffindbar.

SEO = Kirchturm

Jonas Bedford-Strohm

Will Kirche ihre Deutungshoheit über ihre Themen im Netz zurückgewinnen, muss sie an der Auffindbarkeit arbeiten. Denn Menschen suchen im Digitalen nach dem Analogen, so Bedford-Strohm. Leider ist die Webrealität häufig eine andere. Wenn ich nicht mal herausfinden kann, wo und wann ich eine Gemeinde, ein kirchliches Angebot erreichen oder real finden kann, z.B. bei Google Maps, ist das der Fehlstart einer Customer Journey, bevor sie überhaupt begonnen hat. Ja, ich benutze hier bewußt Customer und nicht Member.

Dann folgte ein Einsteigerxkurs „Digitale Kirche – liken oder lieber lassen?“ von Jan Witza und Mira Körlin aus der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. Metaphern wie „Facebook als Einwohnermeldeamt“ oder „Snapchat als die Bushaltestelle der 14-16jährigen“ werde ich von nun an in meinem Digitalherzen tragen. Ohne Zahlen und Statistiken geht’s dann auch nicht und so kamen die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung 2014 (KMU) und die Jugendmedienstudie (JIM 2017) an die Wand und förderten die Büchereien und Leihbibliotheken als direkte Mitbewerber im non-medialen Freizeitverhalten von Jugendlichen zutage. Muss man sich auf der Zunge zergehen und länger auf sich wirken lassen.


Dass über die Hälfte der Teilnehmenden die Hände hoben, als am Freitag standardmäßig abgefragt wurde, für den es das erste Barcamp sei, war dann doch überraschend und toll anzusehen, denn die Atmosphäre an den beiden Barcamp-Tagen unterschied sich in nichts vom einem Barcamp mit höherem „alte Hasen“-Anteil.
Auf meinem Sessionplan standen u.a. diese Themen „Social Media und Einsamkeit“ (Klaus Deuber), „Crowdfunding“ (Ines Zimzinski), das am Horizont dräuende EKD-Datenschutzgesetz (Christoph Breit) und „Kommune und Kirche“ (Katharina Weyandt). Wer die Inhalte der einzelnen Sessions nachlesen will, kann dies auf dem Etherpad tun, das verlässlich in den Sessions geführt wurde! So geht Teilhabe!

Folie zur Session Immer wieder kam man an diesem Wochenende auf die neue EKD-Kircheninfluencerin Jana Highholder und ihre Social Media-Kanäle zu #janaglaubt. Kann das funktionieren, ist das authentisch? Das Gros meint eher nein und ist damit in guter Gesellschaft, wenn auch sicher nicht so harsch in der Kritik wie VICE und taz, die nach den ersten drei Wochen das Engagement an sich zwar loben, aber die Umsetzung als unauthentisch in den Boden als stampfen. Das Thema Authentizität passte auch gut zu meiner Session „Are you ready to take over?“, in der ich Beispiele von drei Social Media-Takeover durch Jugendlichen/junge Erwachsene auf unseren Kanälen bei Instagram und Snapchat zeigte und dazu ermutige #diesejungenleute einfach mal machen zu lassen – ganz organisch. Vielleicht entdeckt man so eine „echte Jana“. Mit dem etwas scherzhaft gemeinten Hashtag #mehrfolloweralsjana versuchen die Kollegen der EKBO gerade ihren Instagram-Account OMG_Berlin zu pushen. Leider habe ich ihre Session wegen des obligatorischen Sighstseeings auf den Spuren Luthers dann doch verpasst. Aber mein Like hatten sie längst!

Session

Zum meinem absoluten Highlight des Barcamps wurde am Samstag Vormittag der Bericht von der EKD-Jugenddelegierten Elisabeth Schwarz, die den Stand des Digitalisierungsprozesses seit 2014 zusammenfasste, den Scoping Workshop in Frankfurt rekapitulierte und über die nächsten Schritte und Handlungsfelder informierte. Die Stimmung im Raum schwankte zwischen Unmut und Verärgerung in Richtung EKD (fehlende Transparenz, Kommunikationsabbruch usw.) bis hin zu selbstschützendem Sarkasmus, was sie aber immer wieder einfing und sich als Mittlerin und Berichtende aus der Bewertung des bisherigen Prozesses, so gut es eben ging, herausnahm. Ein großes Dank gebührt ihr für ihr Engagement und möge sie ihren erstklassig-trockenen Humor bei der Gremienarbeit nicht verlieren!

Elisabeth Schwarz ist Jugenddelegierte der EKD

Auf der EKD-Website zu „Kirche und Digitalisierung sind die Keyfacts und Arbeitsgruppen (Theologische und ethische Reflexion / Kommunikation und Kultur / Prozessoptimierung und digitale Infrastruktur) genauer nachzulesen. Dort wird man nun diesem Satz aus Frankfurt aktiv nachgehen, um bis Herbst 2018 einen Strategievorschlag zur Digitalisierung zu haben, denn:

Es besteht der Verdacht, dass Synergien möglich sind.

Es gehe nun v.a. allem darum, die Speedboats der digtalen Kirche zu suchen, die Verbündeten, die machen wollen zu aktivieren. Ich werde ab jetzt immer an dieses italienische Sprichwort denken müssen, das sie in den Ring warf:

Tra il dire e il fare c’è di mezzo il mare.

Das heißt: Zwischen dem was man sagt und dem was man tut, liegt das Meer.
Unsere digitalen Speedboote, das hat das Barcamp wieder gezeigt, sind längst unterwegs und so war der Einwurf von CathSocialMedia zum Schluss der Session nochmal wichtig, denn bei aller Koordinierung und Prozessoptimierung auf den die #digitaleKirche so sehnlichst wartet, braucht es auch immer wieder die Portion „Guerillachurching“.

Das passt auch so herrlich zum Motto der diesjährigen re:publica (#rp18) in Berlin in der kommenden Woche: „POP-Power of People“. Also lasst uns gemeinsam die Kirchenblase platzen lassen!

Wir sehen uns beim Netzgemeindefest am 2. Mai 2018 und natürlich im immer heller werdenden Digital!

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