Entering e-Estonia!

Es muss nicht immer das Silicon Valley sein, um in die Möglichkeiten einer digitalen Gesellschaft einzutauchen. Im Norden Europas gibt es bereits ein Land, das die digitale Transformation lebt und zeigt, dass Digital Leadership gelingt, wenn sie von höchster Stelle vorangetrieben wird.
Tere Tulemast in der e-Society Estland!

  • Papierloses Parlament (seit 2000).
  • Steuererklärung in nur drei Klicks (seit 2000).
  • Online wählen (seit 2005).
  • E-Residency für ausländische UnternehmerInnen, Freelancer, Start-ups usw. (seit 2014).
  • Eine digitale Signatur, die den Namen verdient und die man wirklich einsetzen kann (seit 2002).
  • E-ID (seit 2002).
  • Zugang zum Internet als verankertes Grundrecht.
  • Flatrates mit unbegrenztem Datenvolumen ab 5€/Monat.
  • 99% aller staatlichen Dienstleistungen und Services (ausgenommen sind Heirat, Scheidung und Immobillienangelegenheiten) können digital erledigt werden und das ausgehend von 1 (!) zentralen Website.

PDFs are not e-Services.  That’s manual labour.

Indrek Õnnik, Project Manager of E-Estonia

Mit diesen und weiteren Fakten schraubt und schreibt das 1,3 Millionen (inklusive der 35.000 e-Residents) große Estland seit 1992 an seiner digitalen Heldenstory. Seit 1996 fahre ich regelmäßig ins Land und habe die ersten Schritte zur e-Society im Alltag der Est*innen beobachtet. Ich erinnere mich noch gut, als der öffentliche Nahverkehr von den Papiertickets, die man selbst mechanisch entwerten musste, auf das digitale Ticket umgestellt wurde. Das war im Jahr 2003. Inzwischen gilt in Bus, Tram, Trolleybus „digital-only“ – auch für Touristen. Und das ist sicher auch schon ein zentraler Punkt: Dieses e-Ticket (hier die Ühiskaart) ist alternativlos.


Wie aber gelingt der estnischen Regierung diese rasante digitale Transformation?

Einige Antworten und praktische Lösungen gibt es im e-Estonia-Showroom der estnischen Regierung nahe des Tallinner Flughafens, im neuen Stadtteil Ülemiste zu sehen und zu hören. Zusammen mit einer Studierendengruppe aus den USA schlackerten mir beim einem gut 1,5-stündigen Ritt durch die digitale Transformation des Baltikstaates die Ohren bzw. fühlte ich mich dann doch ein wie aus der Zeit gefallen. Vergleiche mit Deutschland sind schwierig, die historischen Voraussetzungen waren anders, gesellschaftliche und politische Strukturen sind grundverschieden. Aber ein Gefühl des „Warum gelingt es hier nicht?“  bleibt nach jedem Besuch in Estland immer zurück. Jetzt wieder, wenn man an der Promiwand auch ein Foto der Bundeskanzlerin im Showroom entdeckt. Sie war also auch schon da. Aber ist Digitalisierung bei uns in Deutschland wirklich Chefinnensache? Ich habe da so meine Zweifel.

X-ROAD @e_estonia2001 implementierte Estland als erstes Land X-ROAD. Eine zentrale Datenbankplattform auf die sowohl öffentliche Einrichtungen und Behörden, aber auch autorisierte Wirtschaftsunternehmen zum Datenaustausch zugreifen können. Das Herzstück der digitalen Gesellschaft in Estland.

Und das ist der Moment in dem in Deutschland viele meist innerlich aufschreien. Kann man, muss man aber nicht: X-ROAD lebt von der Transparenz, d.h. als BürgerIn kann ich jederzeit auf meine Daten zugreifen, sehen, wer auf meine Daten zugegriffen hat und sollte es für mich nicht nachvollziehbar sein, eine Klärung verlangen. Von jeder Behörde und jedem Unternehmen. Bei Verstößen oder unbefriedigenden Antworten schaltet sich falls nötig eine unabhängige Einrichtung ein und verhängt Strafen.

Die Idee, dass an einem Ort alle meine Daten gespeichert werden, mag nicht jeder/m behagen. Aber wenn man sich ehrlich fragt: Wie oft geben wir redundant Daten in X-verschiedene Systeme und Datenbanken von Behörden und Firmen ab und wissen schon gar nicht mehr, wer diese alles hat (auch nach dem 25.5.2018). Der Zugriff der angeschlossenen Datenbanken in X-ROAD ist selbstverständlich strikt reglementiert. Das ist der Schlüssel. Die KFZ-Zulassungsstelle weiß wieviel und welche Autos ich besitze, aber nicht welche Strafzettel ich wegen Falschparkens bekommen habe oder welche Medikamente mein Arzt mir verschrieben hat.
Die Restriktion des Datenzugriffs und die Transparenz. Darin liegt die Stärke und nur deshalb vertrauen die Esten diesem System, das auch schon nach Finnland, Aserbaidschan, Kirgisien, Namibia und die Färöer Inseln exportiert wurde. Gehackt wurde es noch nicht, aber Angriffe gab es natürlich schon. Möge es so bleiben!

Wohin geht die digitale Reise Estlands?

Die Vorzeige-Apps aus Estland auf einen Blick

Ganz praktisch z.B. damit, dass noch im Laufe diesen Jahres Stockholm und Tallinn als erste Städte in Europa 5G testen werden. 4G ist in Estland bereits flächendeckend Standard.

Digitale Bildung ist auch weiterhin der Schlüssel. Während bereits im Kindergarten mit Robotern gespielt wird, Programmieren als Schulfach unterrichtet wird, hat sich der Fokus der Erwachsenenbildung nach der Heranführung an die digitale Technik, ich nenne es ja so gern „digitale Alphabetisierung“ der Anfangsjahre nun in Richtung „Cyber Awareness“ und „Cyber Hygiene“ verlagert.

Nach der zweiwöchigen Publikums-Testphase im vergangenen Jahr sind weitere Routen für die selbstfahrenden Busse in Tallinn und weiteren Städten in Estland im Gespräch. Ich habe sie leider verpasst.

Mittel- und langfristig wird der Digitalisierungsgrad eines Landes sicher ein noch gewichtiger Standortfaktor werden, den Estland schon gut im Blick hat, denn so Õnnik:

Countries will start to compete not for citizens but for users!

Wie wohl sich die Digital Citizens und E-Residents in Estland schon seit einiger Zeit fühlen, habe ich dann aus erster Hand bei einem Gespräch über die Start-Up-Szene Estlands erfahren. Das gibt’s als Follow-Up!

Telliskivi - Creative City of Tallinn

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s