Paddeln zwischen Reihern und Kirschblüten

Seit Saisonstart im April bin ich gut auf dem Wasser unterwegs und habe jetzt schon zwei Touren, die ich zu den Highlights der ersten Paddelhalbjahres küren kann.
Ein Hauch von Japan in Hamburg (#Vorfreude) und eine Tour in meinem heißgeliebten Estland.

Als bekennende Schönwetter-Kajakin, kam ich dank Anmeldedruck nicht drumherum bei Nieselregen mit den Hamburger Einzelmitgliedern des Kanuverbandes auf der Bille in Harburg unterwegs zu sein. Anderseits, wozu hat mensch die ganze wasserdichte Ausrüstung? Endlich auf Augenhöhe bei den Hausbooten vorbei und der „Ich-fass-es-nicht-Moment“ als wir am McBoat vorbeifuhren. Das Cafe Canale auf dem Mühlenkampkanals in Hamburg-Winterhude ist ja eher nach meinem Geschmack, aber als Marketing-Idee ist der „Paddel-Thru“ einfach genial, v.a. da ich davon ausgehe, dass es eine umfangreiche Marktanalyse gab und es scheinbar eine relevante Zielgruppe in Booten gibt. Eine schöne Tour mit knappen 1,5 Stunden, die bei Sonne noch schöner gewesen wären.

Japanische Perfektion am Himmel

Absolut regenfrei war es in diesem Jahr (finally) beim traditionellen Kirschblüten-Fest der japanischen Community in Hamburg. Bevor am Samstag in Planten und Blomen groß und kulturell-kulinarisch gefeiert wird, schenkt sie der Stadt seit Jahren ein beeindruckendes Feuerwerk, das man am Besten vom bzw. auf dem Wasser aus sehen kann. Es war meine erste Fahrt in der Abenddämmerung – und das erste Mal seit ich in Hamburg wohne, dass es trocken war. Bisher habe ich immer gekniffen (siehe oben). In diesem Jahr also ab auf die Außenalster. Was sich übrigens alle denken und alle schwimmbaren Untersetzer aus den Kellern, Garagen und Abstellkammern rausholen und losfahren. Es ist erstaunlich, was alles Schwimmbare anzutreffen ist. Das Feuerwerk war gigantisch (knappe 15 Minuten, schöne Choreo), aber es waren die kleinen Momente, wie z.B. die liebevoll beleuchteten Optimisten, die den Abend so besonders werden ließen.

Nach dem letzten Knall wurde es eher sportlich, als sich der Tross für den Rürckweg in Bewegung setzte. Viel zu viel Boote, jeder Couleur und zeitgleich im Alsterkanal, viele unbeleuchet, Gekenterte, und der Druck ein gewisses Tempo zu halten, um nicht selbst im Wasser zu landen. Der Hierarchie auf dem Wasser füge ich seitdem eine weitere Stufe hinzu mit dem Kommentar: Wehret den Gummibooten!

Estnische Idylle auf dem Wasser

Erst im zweiten Anlauf hat es dann in Estland im Mai mit dem Paddeln geklappt. Die Saison und das tolle Wetter hatten den einzigen Kajakverleih in Tallinn wohl so überrascht, dass es zwar Ruder- und Tretboote zum Leihen gab, aber leider keine Kajaks, um den Fluss Pirita landeinwärts zu erkunden. Eine herbe Enttäuschung. Die wurde dann aber fluchs im Süden des Landes aufgewogen, als wir aus einer Laune heraus und weil wir beim abendlichen Spaziergang durch Tartu ein Perception-Kajak sahen, den Fluss Emajõgi nach Verleihen absuchten. Der erste Google-Eintrag war ein Flop – auch hier noch keine Saison und niemand da. Aber die Bootsnachbarn gaben uns einen heißen Tipp und verwiesen uns an einen Ruderverein, der auch Kajaks hätte. Die könnten was wissen. Und sie wussten. Und mehr noch: Ganz unbürokratisch, und nicht ganz offiziell, lieh man uns zwei Einer und ab ging’s aus der Stadt heraus, den Emajõgi hinunter.

Natur pur, paddeln mit Reihern und einzelnen Anglern am Ufer und so idyllisch, wie ich es nicht vermutet hätte. Ein Geschenk für die Seele!
Auch hier wieder ein Hoch auf das antizyklische Reisen, den Mut einfach mal zu fragen und der feste Vorsatz beim nächsten Estland-Besuch die Ostsee-Seekajak-Tour und die Gewässer im Südwesten des Landes als Paddelgebiet einzuplanen. Suur lubadus!

Kanus in Tartu
Mein Paddeljahr in Fotos gibt’s bei Instagram: @kajakliebe

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