#rp18 – war da was?

Mitte Juni und ich habe immer noch nichts über die re:publica in diesem Jahr geschrieben. Keine Zeit? Möglich. Keine Meinung? Unwahrscheinlich. Kein innerer WOW-Effekt. Das ist es wohl.

Dabei hatte ich in diesem Jahr extra Bildungsurlaub beantragt, um „kirchenbrillenfrei“ durch die beiden Tage in der STATION in Berlin zu gehen. Hat nicht wirklich geklappt, aber als mich eine Freundin nach ein paar Wochen fragte, wie es denn nun gewesen sei, war meine Antwort eher schlicht: „Unspektakulär“. Auch nach dem ganzen „Eindrücke sacken lassen“ kann ich nicht sagen, dass es DAS Thema für mich gegeben hat oder DEN Moment.

Logo - POP auf der re:publica 2018

Klar gab es beeindruckende Podiumsgespräche, wie das mit der vom Saal umjubelten  Whistleblowerin Chelsea Manning, die Gedankenhöhenflüge von Bernhard Pörksen zum „Filterclash statt Filterblase“ und die jährliche Keynote von Sascha Lobo.

Wie filterbubbelig es am Ende doch war, zeigten für mich zwei Podien. Das erste zog in Abwesenheit der BILD Zeitung fast 60 Minuten über diese her zur Frage „Die Revolution disst ihre Kinder?“ und die Journalist*innen im übervollen Saal feierten sich selbst unter der Headline „Lustig? Emotional? Prägnant! Texten fürs Social Web“. Nun denn.
Von wegen POP.

Warum ich jetzt doch noch drüber schreibe? Via Twitter wurde ich letzte Woche auf einen Welt-Artikel  über den Jugendableger der re:publica-Macher, die TINCON, aufmerksam. Und dank der „neuen“ CEBIT in Hannover war das Thema Digitalisierung jetzt wieder ein paar Tage „en vogue“. Deutschland sollte… „Man hätte längst“ (ja, wer denn?) usw. usf. 

Auf der re:publica gab es in diesem Jahr ebenfalls Raum für TINCON-Sessions und an denen kabbere ich tatsächlich noch ein wenig rum. Und weil wir alle, die wir Ü17 sind, wissen wollen, wie „die Jugend“ so tickt, war der Raum meist rappelvoll. Ich hörte die YouTuberin Nora Wunderland zu „Selbstbewusstsein durch & trotz Social Media“ und Charles Bahr mit Für die Zielgruppe von der Zielgruppe“ und kam bei beiden aus dem Staunen nicht heraus: So jung und schon so professionell auf der Bühne. Der Grundstein für eine vielversprechende SpeakerInnen-Karriere. Gewiss.

Was mich mit offenem Mund dasitzen ließ, war jedoch etwas anderes: Beide reproduzierten in großen Teilen das, was ich v.a. von den vielen, vielen Marketing-Sessions her kenne: jede Menge Buzzwords und wenig Distanz zum „System Internet“. Ein wenig „Nora erzählt von früher“ kam hinzu (schliesslich ist sie schon seit 6 Jahren unterwegs), und schlägt nun mit TIERINDIR einen anderen Weg ein. Der einzige USP von Charles Bahr: Seine Jugend. Jüngster Gründer. Der hat den Bogen schon so früh raus. Kann man beeindruckend finden, ich saß eher etwas erschüttert da.

Anders wohl auf der TINCON, wenn man der Welt mal glauben darf, da „proben die Millenials den Aufstand gegen die Älteren.“ Also, das was ich auf der #rp18 vermisste.:

Der natürliche, kreative und meist erstaunlich reflektierte Umgang mit den Möglichkeiten des Internets verschafft den Jugendlichen Autonomie.

Die Welt (10.6.2018)

Ich sah und hörte im Mai keine Spur von Gesellschaftskritik, kein „Wir machen es anders!“, „Wir erklären euch unsere Welt und wie wir sie gern hätten!“, sondern ein: „Hey, schaut mal, wir machen das auch schon! Feiert uns! Wir haben das System verstanden. Wir sprechen Eure Sprache.“

Da kam Jonathan Funke mit tipme.org wie der Lichtstreif am Horizont daher. Er stellte seine Blockchain-basierte Idee eines virtuellen Trinkgelds vor, das da ankommt, wo produziert wird. Social Impact statt Social Bullshit!

Schöne Brücke zum nächsten Thema. Denn ausgelagert ins Deutsche Technikmuseum fand der Track „Digital Food“ statt. Höchst unterhaltsam der Social Media Hack (Achtung Wortspiel!) der Metzgerei Hack aus Freising zum Thema Recruiting.

Nicht nur die Frage, was und wie wir in Zukunft essen wollen, wird uns beschäftigen, sondern auch wie sehr die Digitalisierung in unser Essenserleben eindringt.
Die Data Kitchen in Berlin zum Beispiel will ich mir unbedingt mal vor Ort ansehen. Alles bis zur Essensausgabe wird vorab digital abgewickelt, um Gästen mehr Zeit zu schenken, Wartezeiten zu verkürzen, aber auch damit sich die Servicekräfte wieder mehr auf den Gast einstellen könnten. Andererseits auch wieder eine Frage der Effizienz, wenn ich als Gast die Wartezeit am Tisch „nicht mehr aushalten kann“. So erst im letzten Urlaub, als ich 20 Minuten Zubereitungszeitfür die Vorspeise bewußt „in Kauf nahm“ und mit einem exzellenten Menü in der Rae Meierei in Tallinn belohnt wurde. Mindful eating halt.

Für mich war dieser Track ein besonders leckerer Happen, wo es doch noch Neues zu entdecken gab auf dem bunten Digitalbuffet der re:publica. Die hatte zwar insgesamt gut aufgefahren, aber eben wenig was den Gaumen wirklich kitzelte und auch einiges, was eher einen faden Beigeschmack hinterließ.
Denn ein Bällebad ist eben doch nicht alles.

Spendenturm für die Digitalisierung

 

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