Eintauchen in tropische Wellen

Die Recherche nach geeigneten Paddelrevieren in Japan war wohl die aufwändigste, wenn ich mir die gesamten Vorbereitungen für meinen ersten Asientrip im Nachhinein so anschaue. Aber die Mühe hat sich mehr als gelohnt!

Klar, dass der kleine Kajakverleih am Strand keine zweisprachige Website hat, haben unsere ja auch nicht. Aber wohin nur klicken und Anfragen oder eine Reservierung schicken? Das machte die Entscheidung für die Reiseroute nicht grad einfacher. Eine Touristeninfo meldet sich erst super schnell und dann gar nicht mehr. Mhm. Am Ende standen zwei Spots auf der Route, von denen einer dann leider Typhoon Jebi zum Wetteropfer fiel. Der Fluss in der Präfekur Kochi führte nach dem Landfall soviel Wasser, dass an Paddeln nicht zu denken war, auch wenn wir direkt neben dem Verleih unser Quartier aufschlugen. Wer plant nach Japan zu reisen und nicht die typische Städteabhaktour machen möchte, dem sei die Region und Website visitkochi empfohlen. Ich habe selten eine so sympathisch aufgemachte und 360 Grad bespielte Touristeninformation gesehen. Auch vor Ort.

Geklappt hat es mit dem Kajak fahren auf der Izu Halbinsel und die Tour mit dem Seekajak auf dem Pazifik  werde ich so schnell nicht vergessen. Schon die Zugfahrt in den Süden war toll: Inseln, grüne Berge, die Strecke führt direkt am Pazifik entlang, der Zug wird zum Infofenster auf was man sich vor Ort freuen kann. Den Weg zur Unterkunft hatte ich vermasselt, so dass wir viel zu früh aus dem Bus ausstiegen und das letzte Teilstück bei 36 Grad und Schwüle eine Tortour war, aber nach dem Sprung in die Wellen war das schnell vergessen. Tropenfeeling pur! Karte der Halbinsel Izu

Der kleine Ort Shimoda historisch relevant wegen der Anlandung der Schwarzen Flotte von US-Commander Matthew C. Perry (verwunderlich, dass man einem Invasor ein Denkmal setzt) ist überschaubar. Die Perry Road kurz, aber absolut idyllisch. Der Verleih Izu Aquamarine Club ist eigentlich nur eine Art Garage. Und zur kleinen Bucht Nabetahama, wo die Kajaks schon warteten, fuhren wir auf der Ladefläche eines Microbuses. Dann ging’s los.

Den Hinweis, es könne doch gewittern und wir mögen aufpassen. Gehört, aber auch etwas überhört. Es nieselte, mehr nicht und ich wollte paddeln. Ein Traum! Das Wasser wirklich grün, die Bucht, zerklüftet und einfach traumhaft. Die Sup-Paddler hinter uns in der Bucht lassend, wurde der Wellengang immer höher. Eine Brandung, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Aber das Sit-On-Top sicher und stabil, aber auch sehr kräftezehrend. Wir sind dann auch aus Sicherheitsgründen in den Hafen abgebogen und haben eine kleine Rast in einer Bucht gemacht. Quasi ein Privatstrand zum Ausschnaufen, bevor es dann zurückging. Im Ganzen hat die Tour keine 3 Stunden gedauert, aber den Wellengang habe ich abends noch auf der Tatami-Matte gespürt.


Leider fing es auch dann am nächsten Tag so an zu Schütten, dass an eine weitere Runde nicht zu denken war, aber es war definitiv eins der Highlights der Rundreise. Die Wucht und Unbeherrschbarkeit der Natur, des Wassers ist überhaupt etwas, dass ich in diesem Urlaub sehr oft gespürt habe. Natürlich v.a. wegen des Typhoons, der uns drei Tage, wenn auch aus der Distanz beschäftigte, aber auch die vielen Hinweisschilder, Warnungen und Sicherheitsvorkehrungen verdeutlichen, dass Naturgewalten einen anderen Stellenwert auf den japanischen Inseln haben. Daraus ergibt sich auf der anderen Seite eine gewisse Gelassenheit, die von außen erstaunt.

Inzwischen habe schon wieder eine Runde auf der Alster gedreht, denn die Paddelsaison neigt sich unweigerlich dem Ende entgegen. Was für ein ruhiger Fluss sie im Vergleich doch ist und wie sicher wir hier im Norden wohnen.

Tsunami-Warnhinweis in Shimoda, Japan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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