Unter Hobby- und Profichristen beim #bckirche

Das Barcamp Kirche online in Köln läutet nicht nur den Herbst ein, sondern für mich auch die Barcampsaison. Das #bckirche wird immer mehr zu einem Meet&Greet derer, die sich als #digitalekirche verstehen.

Davor, am Freitag fand das erste evangelische BlogerInnen-Treffen #theobloggerInnen. Bahn sei Dank, kam ich zu spät zur Vorstellungsrunde der ca. 30 BloggerInnen.

Fabian Maysenhölder von theoradar.de stellte nicht nur die Funktionsweise des Verzeichnisses für deutschsprachige christliche Blogs und Podcasts, quasi die Charts der christlichen Blogosphäre (aktuell werden ca. 450 gelistet), vor, das er zusammen mit Tobias Sauer betreibt, sondern präsentierte auch vor Veröffentlichung seiner Dissertation einige Ergebnisse und stieg tiefer ein in die Frage: Wer bloggt da überhaupt (theologisch)?

„Die katholische Bloggerszene ist insgesamt besser untereinander vernetzt“, betonte Maysenhölder. Zudem gebe es zwischen der evangelischen und katholischen Blogosphäre nur wenige Querverbindungen. Der Laienanteil sei bei den katholischen Bloggern höher, bei den evangelischen machten sie weniger als ein Viertel aus. Auf evangelischer Seite bloggten vor allem Pfarrer und Theologen, sagte er.
epd-Landesdienst, 2.10.2018

Theoradar.de

Kein ökumenischer Blog, auch nicht als Multi-Autoren-Blog, die Protestanten bloggen eher vor sich hin, also nichts ist’s mit der vielbeschworenen Vernetzung, und dabei vor allem die hauptamtlichen Männer. Puh. Ersteres überrascht mich sehr, zweiteres weniger, deckt sich sogar mit meinem Bauchgefühl – gilt vermutlich auch für die Kommunikation in Social Media – auch wenn ich doch einige Blogs von Frauen kenne und verfolge. Relevanter an dieser Stelle ist wohl die Unterscheidung von Haupt- und Ehrenamt, oder wie es dann in der Runde etwas flapsig formuliert wurde:

Profi- vs. Hobbychristen

Eine ähnlich gemeinte Unterscheidung trat im Sommer zutage, als Hanno Terbuyken der Frage nachging, wer sich denn an den Themen bei #digitaleKirche beteiligen würde und der Text zu Superchristen vs. Laien die Runde machte. Das nur als Einschub.

Der Blog fungiert wohl eher als erweiterte Kanzel denn als digitales Tagebuch. Am Ende klar absenderorientiert und bei aller Kommentarmöglichkeit eben doch eine Einbahnstraße, wenn die Bezugnahme zu anderen Blogartikeln und Diskussionen so wenig wahrgenommen wird. Tja, wie war das mit der veränderten Haltung und dem Dialog? (*Fasse mir gerade selbst an die Nase)
Weitere Thesen zur Frage „Wie das Bloggen die Theologie prägt“, hat er selbst dargestellt auf theopop.de.

Ein spannender Auftakt, auch wenn die „großen Blogs“ beim Treffen gefehlt haben, aber wie es scheint, steckt die evangelische Kirche noch in den Kinderschuhen, was Blogger Relations betrifft. Dank an dieser Stelle an die Ev. Akademie im Rheinland für’s Organisieren!

Am Samstag war dann klassisch Barcamp. Disziplinierte Vorstellungsrunde und am Ende mehr Sessions, als auf das Grid für den Tag passten. Sessions wurden zusammengelegt oder auf Sonntag verschoben. Barcampstyle deluxe! Thematisch wieder breit, aber in diesem Jahr nicht ganz so techlastig wie in Vorjahren, was ich gut fand. Auch wurden Sessions genutzt, um ganz konkret miteinander zu arbeiten. Sei es an einem datenschutzkonformen Formular für die Konfi- und Jugendarbeit, Programmideen zu #digitaleKirche beim Kirchentag 2019 oder aber sich Crowdfeedback für die eigene Gremienarbeit zu holen. Zeit auszuprobieren gab’s in der Session von Stefanie Hoffmann zu Kommunikation in Social Media, die einige sehr schöne Memes und Gifs hervorbrachte. Die Frage, ob und wann (oder mit den augenzwinkernden obligatorischen 2 Jahren Kirchenverspätung) kirchliche Kommunikation diese Kommunikationsformen nutzen darf/sollte, wurde klar bejaht.

Vlog statt Protokoll. Schon mal dran gedacht? Ich nicht, aber es funktioniert und ist für die Teamkommunikation beim RaumschiffRuhr im Einsatz. Am Ende sogar effizienter im Aufwand und persönlichen Zugang. Eine Binse, aber: Sucht euch den Kommunikationskanal aus, der euch am meisten liegt. Tolle Idee!

Um Glaubenskommunikation, Spiritualität und Digitalisierung drehte sich die Session von Tobias Sauer von ruach.jetzt, von der ich nur ein paar Sätze highlighten möchte.

„Zielgruppe alle geht nicht“.

Der Alltime-Favorite, aber Kirche will das immer (noch).

„Keiner kommuniziert absichtlich schlecht.“

Glaubenskommunikation braucht das Persönliche, das „Ich“ statt „man“ und „wir“.

„Digitale Kommunikation ist nicht: ‚Falle auf die Knie und sauge alles auf, was wir (s.o.) digital sagen`.

Don't touch my phone case

Nicht nur „dem Volk aufs Maul schauen“ wie es spricht, sondern zuhören, auch digital, um zu hören, welche Fragen Menschen bewegen und welche sie an den Glauben, Kirche und die Welt haben. Ein Kernelement des Dialogs sei die Beantwortung von gestellten Fragen. Bei Kirche, so Tobias Sauer, sei das anders, da gebe es ungefragt Antworten auf nicht gestellte Fragen. Hart formuliert, aber treffend. Eine Vermutung, dass dies aus der eigenen Angst heraus geschehe, dass eben keiner mehr Fragen an Kirche habe? Quasi im vorauseilenden Aktionismus. Kommt mir oft so vor.
Es gibt sie sicher, die Fragen. Es werde nur eben oft nicht gut genug hingehört, man lausche nicht genug in die differenzierten Zielgruppen hinein, sondern überspült sie mit vermuteten Antworten und denke zu viel gleich in „Angeboten für die, die und die“ wie Matthias Jung bemerkte. Manchmal reiche es auch einfach da zu sein. Raum zu lassen und zu schauen, was sich entwickelt oder gebraucht wird.

Dass ich den Input, ob menschlich oder fachlich von #bckirche brauche, steht für mich außer frage. Wie sehr ich ihn jeweils abrufe, steht auf einem anderen Blatt, das jedes Mal neu beschrieben wird und das ist genau der Bewegungsspielraum, den ich an diesen Wochenenden in der digitalen Kirchenbubble so schätze.

Wir sehen uns im Februar in Hamburg beim HanseBarcamp und im Netz!

Save the dates 2019 #bckirche

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