Instagram by fair means – Ein Gedankenexperiment auf dem Barcamp Hamburg

Letzte Woche war wieder Barcamp Hamburg (#bchh18) bei der Otto Group. Mein Tag fing mäßig an, Coffee all over – kann ich inzwischen richtig gut – und die ersten Sessions rissen mich auch nicht so recht vom Hocker. Zuviele Buzzwords, vielleicht auch einfach zuviel und ich schon mit halbem Kopf in der sich anschließenden Auszeit in St. Peter Ording. Doch wie so oft, war trotz aller Tagesmüdigkeit am Ende noch eine Session mit viel Potenzial dabei.

Bildschirmfoto 2018-11-22 um 19.10.26
Sessionplanung des #bchh18 I Sketchnote by Ania Groß

Zunächst dachte ich, es ginge um ein gemeinsames Jammern über das Community Management auf Instagram. Das war’s aber nicht. Björn Köcher lud zum #instaPee und meinte das ernst. Glücklicherweise hob er nicht auf das Influencer-„Problem“ ab, sondern zielte eher auf ein Reset des Netzwerks, das sich durch Automatisierungsapps und buchbare Bots schon viel zu weit vom ursprünglichen Communitygedanken entfernt habe. Sein, wie ich finde, charmantes Gedankenexperiment:

Was wäre, wenn es ähnlich wie im Bergsport (seine Domäne) eine Bewegung gäbe, die sich quasi #instagrambyfairmeans, also ohne (technische) Hilfsmittel – sicher auch ohne Budgets – bilden würde?
Was für ein Insta wäre das dann?
Und wer würde das wollen?

Interessanterweise kamen just in den vergangenen Tagen einige Artikel zum Thema „Instagram und Fake-Follower“ (z.B. beim SPON) über die Ticker, auch wenn es in der Session nicht allein um die schwarzen Schafe unter den Drittanbietern ging.

Im Sessionraum gab es eher verhaltenes Murmeln, als den Aufbruch zur InstaRevolution. Nicht wenigen, so schien es, waren Bots und Co. insgesamt neu, so dass sich das Gespräch zunächst mehr in Richtung Medienkompetenz, Verantwortung der Politik/Bildung/Familie drehte und nach Regulierung und Transparenz verlangte. Letztere sollte es geben, sicher. Dass wir Nutzer*innen nicht die volle Einsicht in die Plattform haben, ist auch klar, enthebt uns aber doch nicht von der Eigenverantwortung im Umgang mit der Plattform und dem, was wir auf ihr tun.

Dass jede*r neue Follower*in eine Pushnachricht generiert, einem aber die „Abgängigen“ nicht angezeigt werden, um das Feelgoodfeeling bei Instagram (gilt ja auch für andere Plattformen) nicht zu zerstören, ist aus der Perspektive von Instagram nachvollziehbar. Ein psychologischer Schutzmechnismus für die User*innen.
Naja.

In der Sessiondiskussion gab es für mich erstaunlich viel Verständnis für die Plattform. Vom Habitus eher „Können wir nicht ändern, also lasst uns mitspielen.“

Dennoch gibt es für mich noch einen anderen Aspekt, jenseits der intransparenten Algorithmen, dem Ruf nach Regulierung und der Eindämmung oder zumindest einer wirklich sinnvollen Kennzeichnung innerhalb des Influencer-Wahns.

Accounts wie @instarepeat zeigen die Gleichförmingkeit des Contents, die immer gleiche Wiederholung der Mainstreamästhetik – und das weltweit. Rangar Yogeshwar hat dies auf dem Evangelischen Medienkongress in München im Oktober so wunderbar charakerisiert als:

Foto ergo sum – Die globale Symmetrie durch die Digitalisierung.

Rangar Yogeshwar beim Ev. Medienkongress 2018

Langweilig, oberflächlich und oft so glatt, dass es schmerzt. Meiner Meinung nach gilt es hier anzusetzen. Welches Bild unserer Welt transportieren wir damit, was liken wir? Reicht uns das? Wäre das nicht ein Ansatz, als den xten Account in Ginza-Filter-Optik aufzubauen? Für eine diversere Ästhetik, die dabei genauso professionell daherkommt?

Eine Anwort auf meinen Einwurf dazu:

Dann wird das aber weniger geliked…
Dann zeigt es der Algorithmus nicht an…
Dann sieht das ja niemand…

End of Story.

Solange wir alle den Herzchen mit unserem Content hinterherjagen (ich nehme mich da nicht aus) und den Algorithmus stromlinienförmig damit weiter füttern, wird das nichts mit #instagrambyfairmeans.

#InstaRevolution. We had a moment.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s