Meeting Nao im #oooyeahmuseum

Eine Sache auf meiner Bucketlist für Japan war das Robotik-Museum Miraikan, das leider aus diversen Gründe hinten runterfallen musste. In einen Laden im Technikbezirk Akihabara haben wir es dann ersatzweise geschafft, seitdem erinnert mich der kleine Robo 2 u.a. auch daran, wie technikverrückt die Japaner sind.
Wie sich das, was man gemeinhin als Arbeit 4.0 bezeichnet, auf die Arbeitswelt auswirkt, zeigt derzeit eine Ausstellung im Museum der Arbeit Hamburg „Out of Office“, wo ich zum ersten Mal mit einem humaoiden Roboter, namens Nao, sprach.

Der Fokus der Ausstellung im 3. Stock liegt darauf, wie Roboter und KI unsere Arbeitswelt verändern (werden) und inwieweit sie (bereits) unsere Arbeit tun (können).


Neben der historischen Einordnung, die nicht fehlen darf, besticht die Ausstellung v.a. durch die zahlreichen multimedialen Beispielen und Roboter-Exponate. Dazu aber später mehr. Wenn ich das nächste Mal gefragt werde, was die Digitalisierung denn nun konkret bedeutet, werde ich zumindest im Jobkontext gerne auf den Film von 2014 (!) „Evolution of the Desk“ hinweisen. Besser und prägnanter lässt sich dieser Teil der Digitalisierung nicht fassen.

Automatisierbarkeit für SoMeMaDie Frage bzw. Sorge, dass die Digitalisierung Jobs kostet und Arbeitsplätze vernichtet, wird mithilfe des Job-Futuromaten (2016) individuell runtergebrochen und greifbar. Hier kann man selbst den Beruf eintippen und der Automat spukt anhand von diversen Tätigkeiten den Automatisierungsgrad für dieses Jobprofil aus. Beruhigend zu wissen, dass Social Media Manager*innen zu den 0 % zählen, deren Job automatisierbar sind.
[Spoiler: Theolog*innen ebenso.] Die anschließende Frage, wenn der Job vollautomatisiert wird „Ja, und dann…“ bleibt indes unerörtert. Vermutlich sind das eher Fragen für das Begleitprogramm zur Ausstellung.

Eher befremdlich fand ich die präsentierte Video-Recruiting Plattform „Talentcube“. Unbenommen, dass die klassischen Wege im Bewerbungsprozess ein Update brauchen und längst suchen, aber die Anmutung einer „Instastory“ als Anschreiben 4.0, jenseits der Influencer-Jobblase, erzeugt bei mir doch eher Fragezeichen. Auch der von der KI Benjamin geschriebenen Kurzfilm Sunspring (2016) ist noch nicht ganz flüssig, lässt aber erahnen, wohin die Reise geht, auch wenn die Imitation der menschenlichen Kommunikationsmuster noch nicht ganz gelingt.

Blick in den Ausstellungsraum "Out of Office"In einen echten Gesprächsfluss kam es mit dem Humaniode Nao an dem Tag leider auch noch nicht. Dennoch ist er für mich der wahre Star der Ausstellung. Die Hemmungen ihn anzusprechen, waren bei mir hoch. Das lag sicher auch an den hohen Erwartungen. Viele an ihn gerichteten Aufforderungen liefen ins Leere. Sein „musealer Betreuer“ sagte, er reagiere eher auf hohe Frauenstimmen. Seine Körpersprache würde ich persönlich eher als maskulin geprägt bezeichnen, v.a. wenn er die Arme in die Hüften stemmt und sich scheinbar aufplustert. Wäre spannend zu wissen, wie das Entwicklerteam genderwise zusammengesetzt war. Das Nichtverstehen seinerseits drückte sich zwar im Blickkontakt in die richtige Richtung aus und die LEDs in den Augen verrieten die Verarbeitung der empfangenen Infos und Signale, aber es fehlte zu oft das verständige Blinzeln in den Augen. Er rührte sich nicht weiter. Auch auf Musik reagierte er nicht. Schade eigentlich. Nachdem die umstehenden Herren alles probiert hatten, nahm ich die Kommunikation auf und bat ihn sich hinzusetzen. Ob es nun an der Stimmlage, dem Zauberwort „bitte“ oder dem immer kürzer werdenden Appellativ lag, kann ich nicht rekonstuieren oder beurteilen. Die Antwort „Das ist sehr gemütlich.“, erfreute mich mich umso mehr, ebenso wie seine umgelenkte Art sich zu setzen.

Da ist noch Luft nach oben und die Berührungsängste sind enorm, egal wie kindlich die Mimik sein mag, und mensch unweigerlich das Menschliche in der Maschine sucht. Aber Nao kann sicher ein Vehikel sein, um diese Ängste vor Maschinen abzubauen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. Mai 2019 und ich werde sicher noch ein weiteres Mal hineingehen, da ich viele der zahlreichen Videos, Interviews, Filme und Dokumentationen noch nicht ganz gesehen habe. Außerdem bin ich natürlich gespannt, wie sich ein zweites Gespräch mit Nao entwickeln wird, wenn er nicht gerade selbst Out of Office ist.

Hashtag zur Ausstellung: #oooyeahmuseum
Website: https://www.outofoffice.hamburg/

Museum der Arbeit Hamburg / Plakat "Out of office"

Ein Gedanke zu “Meeting Nao im #oooyeahmuseum

  1. Liebe Ines,
    hab ganz lieben Dank für Deinen Besuch im Museum der Arbeit und diesen wunderbaren Blogbeitrag. Ja, diese Ausstellung regt zum Nachdenken an und einige Jobs, gerade die im sozialen Bereich, werden wohl nie automatisiert oder gar ersetzt werden können. Zumindest darf man gespannt sein, was die Zukunft so bringt.
    Liebe Grüße
    Wera
    (Online-Kommunikation, Stiftung Historische Museen Hamburg)

    Gefällt 1 Person

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