Weg von den Botschaften!

Politik und Kirche. Staatlich getrennt, aber in vielem doch vereint, z.B. wenn es um den schweren Angang in Richtung aktiver, dialogischer Kommunikation in Social Media geht. Ein Networking-Abend der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Hamburger Botschaft.

Was für eine passende Location. War ich ehrlich gesagt vorher noch nie. Gut gewählt für die Social Media Snackbar des Julius-Leber-Forums. Terminlich gewagt, weil an einem Freitagabend. Aber wer mit Ehrenamtlichen arbeiten will, muss auf die Termine „an den Rändern“ ausweichen. Und es war mit ca. 80 Personen gut gefüllt, nicht nur mit Hamburger*innen, wie die Abfrage per Handzeichen ergab. Auch nicht nur SPD-Aktive waren gekommen, auch Vereine, Initiativen und einige Kirchenmenschen saßen in den Stuhlreihen.

Social Media Snackbar der FES HH c) IH

Zunächst mal ein großes Kompliment an die beiden Referenten: Dennis Eighteen und Leif Neugebohrn, denn als ich hörte, dass sie tatsächlich planten vier Stunden Programm zu machen, war ich kurz davor zu gehen. Im Ablauf hatte ich zwar die Zeiten wahrgenommen, aber drauf spekuliert, dass ganz viel Networking-Zeit dabei wäre. Die gab es auch, aber am Ende war es so unterhaltsam und kurzweilig, dass die Stunden bei Bier, Pizza und Snacks, eben wirklich als #socialmediasnackbar wie im Flug vergingen.

Dass „Lass’ mal Social Media machen“ keine Strategie ist und es auch nicht darum gehe, „etwas cooler“ (in der Politik / Kirche…) zu machen. Diese Sätze flogen zu Beginn nur so durch den Raum. Als Leif Neugebohrn auch noch diesen abfeuerte: „Die Menschen haben null Interesse an uns!“ fühlte ich mich gut aufgehoben. Denn Mitglieder/Kund*innen haben per se keine Holschuld, sondern wir als Institution, Firma oder eben eine Partei eine Bringschuld.


Wir müssen die Themenköder oder Magneten so platzieren, dass sie schmackhaft und sichtbar sind, damit zugegriffen wird. Das Bild von der Currywurstbude auf dem Marktplatz, für das man mit dem Häppchentablett rumgeht und Passant*innen anspricht, finde ich, abgesehen von der Wurst, gelungen. Social Media teasert an und gegessen wird in der Bude, zu Hause, also auf der eigenen Website. Die ist die Zentrale, immer noch! Noch ein wichtiger Punkt an der Stelle: Macht SEO, wenn ihr nicht nur den Inner Cirlce erreichen wollt, der am Ende Eure URL oftmals händisch eingeben kann, weil er/sie euch eben kennt. Lenkt die zu Euch, die vielleicht noch nicht wissen, dass ihr die beste Currywurst der Stadt habt. 

Ohne Geld wird das nicht gehen. Noch so ein Satz. Keine Diskussion. Prüft die Budgets. Wohin fließt das Geld? In Totholz (Flyer, Postkarten, Plakate…), weil wir das immer so gemacht haben oder in Sponsored Posts, die auf Zielgruppen/Audiences thematisch eingestellt sind?

Was aber tun, wenn man kein greifbares Produkt hat und nur eine (politische) Botschaft? Sein Tipp: Investiert erst mal in die Reichweite, hier hadere ich ein wenig, denn pure Reichweite und Bekanntheit ist in Social Media nicht das allerbeste Ziel, worüber ich hier schon geschrieben habe. Aber um ein positives Image aufzubauen und sich erstmal ins Gespräch zu bringen ein erster Schritt, bevor das Ziel der Interaktion in den Fokus treten sollte. Aber nie ohne Geld.

Das perfekte Facebook-Posting

Kurz, knackig, relevant. Letzeres immer für IMG_2851die Community, nicht für uns als Absender. Social Media ist keine interne Kommunikation, deshalb haben dort auch interne Abkürzungen und ellenlange Titel, Firmierungen nichts zu suchen.  Und auch hier: Same same – in Politik und Kirche. Nicht wir sind der Mittelpunkt, sondern die Fans, die Mitglieder, die Bürger*innen. Und mit ihnen wollen wir interagieren – also immer versuchen einen „Call to Action“ zu platzieren, d.h. Meinungen, Kommentare  einholen, Button klicken, Artikel weiterlesen etc. pp.

Und wenn man nicht bloggen mag und/oder der Meinung ist, nicht schreiben zu können? Es war die charmante Überleitung von Corporate Blogs zum Thema Podcast.

Kein Barcamp, keine (Medien-)Konferenz kommt inzwischen ohne das vermeintlich neue Format aus, was ich als ehemalige Hörbuchfrau natürlich besonders witzig finde, denn die Hörbuchblogger*innen entdeckten schon vor Jahren diesen perfekten Channel für sich und so habe ich beim Reinhören in manchen Podcast akustische déjà vus.

Nicht drüber reden, sondern machen! Und so setzen sich die beiden live hin und nahmen ihre Gedanken, Tipps und Strategien für Instagram für ihre jeweiligen Podcasts direkt vor Ort auf. Es nahm uns im Publikum ein wenig die Chance zur Interaktion, aber der Mediumswechsel brachte andererseits Abwechslung. Man kann die Folge jetzt direkt hier anhören.

Nicht verkünden, sondern miteinander reden

Für mich ist der zentrale Punkt beim Podcast, dass es nicht eine steife Interviewstrecke ist oder ein geskripteter Monolog/Dialog, der nur darauf aus ist zu „verkünden“.
Die Plauderei der Gesprächspartner*innen macht ebenso viel aus, wie das Thema selbst. Mag ich ihnen zuhören, mag ich die Stimme(n), die Ideen, Fragen, den Humor, die Art des Gesprächs? Wenn ich „Hard Facts“ will, schalte ich das Radio ein oder klicke mich in andere journalistische Angebote.

Nichts ist näher dran als eine Stimme im Ohr, die ich in meine akustische Privatsphäre lasse. Da wähle ich sehr genau aus, was ich hören mag und zu welcher Podcast-Community ich gehören möchte und auf wen ich mich freue, wenn eine neue Folge erscheint. Was der Podcast-Boom auch zeigt, ist eine gewisse Sehnsucht nach der Langform (im Schnitt ja 45-60 Minuten). Stark segmentiert, weil Hörerlebnisse ganz individuell sind, aber mit treuer Hörer*innenschaft. Wie ein akustischer Dorfplatz, wo man immer wieder vorbeischaut, was es Neues gibt und es sich von „Bekannten“ erzählen lässt, aber eben nicht von einem Marktschreier mit Megaphon.

Ein Abend mit vielen kleineren, aber wichtigen Botschaften.

 

2 Gedanken zu “Weg von den Botschaften!

  1. Liebe Ines, vielen Dank für diese wundervolle Rezension unseres Social Media Abends! Du hast recht, ganz offensichtlich ticken wir in ganz vielen Fragen hier sehr ähnlich.

    Was an diesem kurzen Abend tatsächlich zu kurz kam ist die Frage, wofür man etwas tut, welche Ziele man verfolgt. Reichweite nur der Reichweite wegen kann es in der Tat nicht sein – es bleibt aber das Problem, dass wir Botschaften, Ansichzen, Werte und Images vermarkten. Wir können einfach keinen klassischen Sales-Funnel mit messbarem Endpunkt aufbauen. Und in der schnellen Betrachtung sieht es dann halt schnell so aus, als ob wir einfach nur auf Reichweite gehen… wie man damit umgeht, wäre ein klasse Thema, um es in einem Podcast zu diskutieren. Hast Du Lust? 🙂

    Leid

    Gefällt mir

    1. Lieber Leif, hätte ich die Frage mal gleich Freitag gestellt 😉 Aber ja, auch wenn ich mich eher den Schreibenden & Hörenden zugehörig fühle, raus aus der Komfortzone!

      Ines

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