Mein fast-all-about über die #afbmc19

Als Teilnehmende war mir die Allfacebook Marketing Conference schlicht zu teuer. Dennoch habe ich natürlich immer hingeschielt, wenn die Konferenz in München oder Berlin anstand. Dass ich ausgerechnet für meinen neuen Arbeitgeber nun hinfahren durfte und dort mein Speaker*innen-Debüt auf der Behörden-Bühne geben würde, wer hätte das gedacht? Über meine doppelte #afbmc-Premiere.

Man kennt sich, das wird bereits am Vorabend beim Speaker*innen-Dinner in einem Burger-Laden in Friedrichshain klar. Viele schon seit Jahren. Also großes, herzliches „Hallo“ allerseits. Ich kenne einige zumindest von Twitter oder dem Community Barcamp Berlin und kann sie einigermaßen zuordnen. Flirrende Atmosphäre würde ich das nennen. Der Rest checkt sich aus. Man weiß, warum man hier ist. Große Themen, nerdige Themen. Und wie es manchmal so ist, komme ich mich meinem Tischnachbarn, der sich als (neu-)Freikirchler „outet“ über Digitalisierung und Kirche ins Gespräch. Dass sich zwar was in den ev. Landeskirchen (liebe Grüße v.a. an die ELKB) tue, sei ihm zwar auch aufgefallen, dennoch spräche es ihn vor Ort halt nicht an.
Gespannt war ich, wie viele Marketing-Buzzwords in den Gesprächen so fallen würden. Spoiler: A lot! Klappern gehört halt zum Handwerk und für die zahlreichen Freelancer*innen ist dieses Networking-Event, die Chance auf neue Aufträge oder zumindest die Hoffnung auf ein „Ich kenn’ da wen…“. 

Am nächsten Tag „Doors Open“ am Alexanderplatz. Dann mal direkt an den Speaker*innendesk! Die Präsentation war fertig und vor Ort, kleine Einweisung zum Raum und hinein in den großen Saal. Alles top organisiert, gute Betreuung auch schon im Vorfeld. Man merkt die vielen Jahre Erfahrung und das ständige Optimieren und Ernstnehmen von Verbesserungsvorschlägen. Und dennoch schaffen es Jens und Philipp, trotz stetigem Wachstum, die persönliche, fast familiäre Note zu halten. 

Eva Reitenbach auf der #afbmc in Berlin
„Social Media ist tot, es lebe Social Media“: Eva Reitenbach auf der #afbmc in Berlin

Die Keynote von Reinhard Lanner wie auch der Abschlusstalk von Eva Reitenbach lasen v.a. den Online-Marketeers und Social Media-Menschen doch ordentlich und erfrischend die Leviten. Zu glatt, zu perfekt, zu sehr auf der Suche nach dem perfekten Post und zu wenig so, wie bspw. die Generation alpha Social Media nutzt. Authentisch, edgy und durchaus imperfekt – aber eben in Echtzeit. Viele seien halt gefangen in (ihrem) Nutzungsverhalten von Gen Y und Z (jetzt ist der Moment, sich alt zu fühlen, *von der Gen X geschrieben) – und da gibt es eben viel graues Mittelmaß. Überhaupt, wenn auch eine Binse, immer wieder fragen, ob das, was man posten will durch eine dieser drei Türen geht und v.a. durch welche:

„Relevanz
Irrelevanz oder
Firlefanz.“
Reinhard Lanner, CDO der Österreich Werbung

Merci nach Österreich für dieses Bild! I will never forget. Denn Posten um des Postens Willen, ist eh net guad. 

Folie: Social Media in Behörden und Verbänden von Christiane GermannDas haben auch Behörden, Parteien und Verbände erkannt, längst sind viele unterwegs und so gab es denn auch eine eigene Bühne dafür. Auf zwei Speaker*innen freute ich mich dort besonders:

Christiane Germann
und Jens Albers. #amtzweinull meets #digitalekirche

Ihre Bestandsaufnahme zu Social Media in der Verwaltung entpuppte sich als kleiner Forderungskatalog und der liest sich wie folgt:

1. Habt mehr Mut zur Nische, konzentriert Euch auf ein paar Themen und setzt die konsequent um, als dass alles immer ein wenig stattfindet. Fokus und Relevanz, statt Gießkanne für alle.

2. Der geht direkt an die Personalabteilungen in den Ämtern und Verwaltungen: Schafft den/die „Sachbearbeiter*in Social Media“ ab und stellt sie mit den weiteren Kommunikator*innen und Pressesprecher*innen im Haus in Reputation und Bezahlung gleich. (Gilt übrigens auch für die Bezeichnung „Sachbearbeiter*in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“, nur mal so.) 

3. Füttert sie mit den gleichen Infos und derselben Transparenz, denn ihre Kommunikation ist gleichwertig zum Abdruck einer Pressemeldung im lokalen Printblatt. Fußnote: Das erfordert eben auch adäquates Equipment, denn ein Smartphone ist kein Luxusgoodie oder eine Belohnung für gute Arbeit, sondern schlicht ein notwendiges Arbeitsgerät, genauso wie ausreichendes Datenvolumen, die Installation von notwendigen Apps und Programmen – und frei ergänzt: die kontinuierliche Weiterbildung etc..

4. In dem Moment, wo die Leitenden selbst zu Social CEOs werden, wird vieles einfacher, aber dann auch bitte wirklich dranbleiben und nicht den Fehler machen nur Terminposts abzusetzen, um zu zeigen, wie busy man ist. Diese „Behördenleiterkommunikation“ (ja, nur maskulin #ausgründen) hat nur selten Mehrwert, denn oft stoppt sie beim „Heute mal eben…“ und der Dokumentation der Gremiensitzungen samt langweiliger Gruppenfotos (die schlechtestenfalls dann noch bei @undwievielefrauen landen). Bürger*innen interessiert: Worum geht‘s da? Was wurde entschieden?
Lässt sich auch prima für das private Postingverhalten adaptieren (Hallo, eigene Nase?!)

5. Im Idealfall erkennen und wertschätzen diese Social CEOs und Leitende dann Mitarbeitende, die im Netz aktiv sind, sich ggf. auch vollkommen berufsunabhängig eine Online-Reputation für ein Thema, ein Hobby, eine Leidenschaft aufgebaut haben und ermuntern sie ihr Wissen im Haus zu teilen, Teil des Social Media-Teams zu werden oder aber sie mindestens als Influencer*innen in ihrem Feld weiter zu bestärken und „zu sehen“. 

Jutebeutel: Yes Mom. My job is instagramParallel zur #afbmc hat sich die #aigmc inzwischen etabliert und so gab es einige Talks zum „Social Media Happy Place“. Sehr praxisbezogen und gut an den Mini-Stellschrauben im eigenen Account umsetzbar, forderte Daniela Vey die Verwaltungen auf, mehr Professionalität auch in Social Media an den Tag zu legen. Denn gerade in Behörden gibt es für fast alles Dienstanweisungen, Vermerke, Richtlinien usw. aber die CIs, CDs und Style-Guidelines für Publikationen, Web und Co. hören aber eben oft bei Social Media auf. Andernfalls würde es längst keine Plakat-pdfs bei Insta geben. Na, wer fühlt sich ertappt? 

Aus dem Vollen schöpfen, was Wiedererkennbarkeit, Testimonials und Support aus den eigene Reihen betrifft, kann Kathrin Grothe, die den Instagram-Account der FDP Bundestagsfraktion vorstellte. „Serieller Content“ war ihr Stichwort: Der entlastet, stärkt die Marke und zahlt auf die Fan-Bindung ein. Sehr gut gemacht fand ich die „Flat Lays“, um neue Mitarbeitende und Abgeordnete vorzustellen. Ergo: Zeigen Sie uns Ihre Handtasche oder Ihren Aktenkoffer/Rucksack. Persönliches und natürlich noch eine politische hidden Botschaft. Abgesehen von den „insta politics“ von CL & Co., die ich jetzt mal generös abziehe, ein (technisch) stimmiger und ansprechender Auftritt.

„Treffen sich ein Panda, ein Einhorn und eine Katze in der Kirche“. Mit diesem Titel hatte Jens Albers vom Bistum Essen schon im Vorfeld abgeräumt. Kirche, mehr noch, katholische Kirche auf einer Marketing-Konferenz? Nicht wirklich abwegig, wenn man die Social Media-Aktivitäten der Essener kennt. Als ehemaliger Mediengestalter spricht Jens Albers zudem die Sprache der Anwesenden und sein Ansatz „It’s all about context“ funktioniert super. Das Stewardessen-Weihnachtsvideo oder die Martinspferde sind beste Beispiele dafür, zeigen Wirkung und wecken Aufmerksamkeit bis in die Wirtschaft hinein. Raus aus der Kirchenblase, über den Kirchturm hinaus, übersetzt in heutige Bildsprache, mit popkulturellen, aktuellen Referenzen, um anschlussfähig zu sein.

Es war ein Nebensatz, der mich dann aufhorchen ließ: Er sei ja nun schon einige Jahr bei der Kirche und in Social Media dafür unterwegs, aber noch immer sei es ihm persönlich fremd, wenn Menschen z.B. in den Kommentaren oder auf Facebook, Twitter usw. mehr oder weniger unvermittelt anfangen zu beten. 

Allfacebook Confessions! – und ich hätte am Liebsten „Halleluja“ gerufen. Denn so erging und ergeht es mir nach wie vor auch. Aber wie ich erst jetzt gelernt habe, zähle ich ja ohnehin zu den „Solitärchrist*innen“, dank dir, Hanno, an dieser Stelle. Kirchensprech ist was Wunderbares. Und manchmal so wunderbar eigen. 

Ines Hansla auf der #afbmc (c) allfacebook.com
Ines Hansla auf der #afbmc (c) allfacebook.com

Nun zu meinem eigenen Talk. Überschrieben war er mit „Ick bin all dor“ und mein jetziger Chef, Ralf Dessel, und ich waren gebeten worden vom Weg einer mittelgroßen Kommune in Social Media zu berichten. Von den Hindernissen – intern wie extern -, wie man diese umschifft, sich über Motivationsdurststrecken hinweghilft und warum man sich „das“ überhaupt zumutet. Tja, ich war da, mein Chef leider sturmbedingt nicht. 

Challenge accepted, improvised und mission accomplished. Eine inhaltliche Zusammenfassung wird es auf dem #afbmc-Blog noch geben. Die Präsentation ist, wie viele andere, schon hier abrufbar. Da wir uns aber für sehr reduzierte Folien entschieden habe, werden diese ohne das „gesprochene Wort“ dazu nicht viel helfen. Spoiler: Es lohnt sich als Kommune in Social Media aktiv zu sein, wenn der Support von oben da ist und: Ressourcen sollten nicht immer nur in Dollarscheinen gemessen werden. 

Speaker*innenpult bei der allfacebook-Conference mit Herz-EmojEs war eine andere Hausnummer dort auf der Bühne zu stehen – anders als bei Barcamps. Nicht nur, weil die Zuhörenden einen Batzen Geld gezahlt haben. Was ich gemerkt habe: Ich teile mein Wissen gern, gern auch „vorn“, aber eine große Speakerinnenkarriere wird nicht daraus. Wer sich übrigens mal zum Speaker*innen-Thema coachen lassen will, dem sei Insa Künkel empfohlen. Ihre Tipps begleiten mich zwei Jahre später noch immer. 

Die Länge des Textes verrät es, es war ein voller Tag, inhaltlich wie menschlich. Für mich war es be- und erleichternd zu sehen, dass sich „alter“ und „neuer“ beruflicher Kontext gut verbinden lassen, sich sogar kreuzen und wiederbegegnen. Dankbar bin ich, dass ich die Allfacebook Marketing Konferenz jetzt besuchen konnte, die sich lohnt, wenn man tatsächlich Raum und Support hat die Learnings „daheim“ umzusetzen. 

Thanks for having me, Jens und Philipp und thanks an Nicole und Maddy für die großartige Moderation der Behörden-Bühne.

Gruppenbild der Speaker*innen der #afbmc19 in Berlin (c) allfacebook.com
Gruppenbild der Speaker*innen der #afbmc19 in Berlin (c) allfacebook.com

2 Gedanken zu “Mein fast-all-about über die #afbmc19

  1. Jetzt, wo ich deinen Text lese, merke ich aufs Neue, wie sehr sie gefehlt haben, die Kirchengezeiten most of 2019. Sehr schöner Bericht, liebe Ines, mit Gewinn gelesen! #ilike #missyouatwork

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